7. August

Don´t judge a drink by it´s name

In meiner Jugend da trank man seltsame Dinge, für die ich mich heute ein wenig schäme. Auf dem Land groß geworden fühlte ich mich sehr erwachsen, wenn ich Jacky-Cola bestellte. Das war schlechter Whiskey vermengt mit koffeinhaltiger Limonade. Eine Ausrede wäre, dass auch nicht viele andere Möglichkeiten zur Auswahl standen. Alkohol schmeckte mir nicht so wirklich, was ich natürlich aber nicht sagen konnte, weil ich dann der Kategorie uncool zugeordnet worden wäre und die galt es damals mit allen mir zur Verfügung stehenden Mitteln zu vermeiden. So landet man dann beim Mischgetränk. Es wären noch schlimmere Abgründe möglich gewesen, aber die habe ich glücklicherweise umschifft.
Es gab auch ein Getränk, das Kiba hieß. Das stand für Kirschbananensaft. Das konnte man aber nicht bestellen. Nicht wenn man in der Raucherecke weiter zugelassen werden wollte. Alleine der Name macht mir jetzt noch ein wenig Gänsehaut. Wobei das vielleicht auch nur eine Frage der Zeit ist. Im letzten Jahr wurde gerne ein Drink bestellt, der auf den Namen Hugo hört. Auch nicht besser.


Fernab aller Modegetränke oder Pubertätswirren: So ist er gar nicht. Der Melonen-Mojito. Den könnte man auch grausam mit Memo abkürzen. Will man aber nicht. Und das würde ihm auch gar nicht gerecht werden, weil er das sophisticated Stadt-Sommergetränk schlechthin ist und sehr erwachsen. Mojito, aber mit Melone. Das gibt einen schönen Sonnenuntergangsfarbverlauf, wenn im Glas Zitronensaft, Rum und Melonenrot ineinander übergehen. Man muss ihn schnell trinken, wenn man den Melonensaft nicht abseiht, weil er sich dann absetzt. Auch nicht das Schlechteste. Kommt man erst gar nicht auf die Idee darüber nachzudenken, dass man eigentlich morgen früh raus müsste und es so viel zu tun gäbe.
Und so geht er:

* eine Handvoll Zweige Minze
* 1 Limette
* 1 oder 2 Teelöffel braunen Rohrzucker
* 6 Centiliter Rum (muss man nicht so genau nehmen)
* gecrushtes Eis
* 1/8 Wassermelone

Die Minzblätter mit dem Zucker im Glas zermalmen. Rum drübergießen. Mit Eis auffüllen. Limette auspressen und den Saft dazugießen. Melone pürieren und entweder abseihen (dann kann man langsamer trinken) oder eben nicht (dann setzt sich nach kurzer Zeit das Melonenfruchtfleisch etwas ab. Das könnte sehr ästhetisch veranlagte Menschen mit leichtem Hang zum Perfektionismus stören).

Rundum eine feine Sache also, dieser Memo. Wobei man ihn auch Memi nenen könnte. Melone mit Minze. Oder Memimo. Melone mit Minze-Mojito. Genug. Vielleicht sollte ich mir nicht noch einen machen, denn wenn Wortspiele Pubertätsniveau erreichen, wäre es ratsamer ab jetzt zum Kirschbananensaft zu greifen.

Oder auch nicht. Es ist Freitag. Es ist warm. Es ist Sommer. Man lebt nur einmal. Ich würde sagen: Die Cocktailstunde ist eröffnet.
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2 Responses

  1. Unglaublich gut (wir Landkinder verstehen uns) und bestimmt auch unglaublich lecker.

  2. mme ulma sagt:

    jacky-cola im wechsel mit jacky-bull – na servas. wie gut, dass man älter wird und irgendwann das land gegen die stadt tauscht.

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