17. Juli

Zitronenschicksal und schwere Entscheidung

Entscheidungsfreude würde ich als eine meiner Stärken bezeichnen. Wenn ich sonst alles und vieles im Kopf drehe und wende, wenn es drauf ankommt, weiß ich was ich will und ziehe das auch durch. Bei großen Entscheidungen nicht sofort, was auch gut ist, aber bei den täglichen Entscheidungen hadere ich nicht lange. Menschen, die beim Einkaufen noch einmal zurück möchten in den ersten Laden, weil ihnen fünf später einfällt, dass das Kleid Nummer 3 doch schön war, verstehe ich nicht. Mag ich oder mag ich nicht. Geht schnell.
In der französischen Patisserie am Morgen erkenne ich mich allerdings gerade nicht wieder. Schokoladentarte oder doch lieber die Himbeer-Macarons? Die Walnusskuchen sehen auch toll aus. Oh, und Kaffee-Eclairs sind gerade reingekommen. Es sei denn, es gibt Tarte au citron. Da bin ich wieder die Alte. Nehme ich sofort.

tarte_au_citron (2)Vorausschauend hatte ich vor dem Abflug schon einmal eine zu Hause gemacht. Zur Einstimmung. Quatsch. War eine spontane Entscheidung, weil die Lust zum Backen groß und noch genug Zitronen im Haus. Nicht lange gehadert, wurde sofort umgesetzt.

Tarte au citron 

Teig

* 150 Gramm Mehl
* 100 Gramm gemahlene Mandeln
* 100 Gramm Puderzucker
* 1/2 Teelöffel Salz
* 5 Gramm Backpulver
* 100 Gramm Butter
* 1 Ei

Füllung

* 125 Milliliter frisch gepresster Zitronensaft
* 1 Abrieb von einer unbehandelten Zitrone
* 100 Gramm Zucker
* 85 Gramm Butter
* 2 große Eier
* 2 Eigelbe

Meringue

* 3 Eier
* 150 Gramm Puderzucker

 

Das Mehl, die Mandeln, das Backpulver, Salz und den Puderzucker vermischen. Die kalte Butter in kleine Stücke schneiden und unterkneten, ganz zum Schluss das Ein einkneten. Den Teig zu einer Kugel formen, in Klarsichtfolie wickeln und mindestens 1 Stunde im Kühlschrank ruhen lassen, besser aber über Nacht. 

Eine Form buttern, den Teig 1/2 Stunde vorher aus dem Kühlschrank nehmen, damit er weich wird, ausrollen und über der Form abrollen. Mit der Gabel einstechen, Backpapier drauflegen und blind backen für 10 Minuten bei 180 Grad. Das Papier und die Bohnen entfernen und nochmals fünf Minuten backen.

Die Zitronen waschen, Zitrone abreiben. Zitronensaft mit dem Zucker und dem Abrieb in einem Topf erhitzen, solange bis sich der Zucker vollkommen aufgelöst hat. Butter unterrühren. Ziehen lassen.

Die Eier mit den Eigelben aufschlagen. Die Schale aus dem Zitronensaft entfernen und den Zitronensaft erneut erhitzen. 3 Esslöffel des erhitzen Zitronensaftes zu den Eiern geben und alles miteinander verrühren. Die Eier in die Zitronenmischung geben, langsam und ständig rühren dabei. Erst dann die Masse erneut bei mittlerer Hitze erwärmen, währenddessen immer wieder rühren, bis die Masse dickflüssig genug ist. Auf dem Tarteboden verteilen.

Nochmals für 5 bis zehn Minuten bei 180 Grad backen.
Achtung Entscheidung: Entweder schon jetzt essen, schmeckt auch sehr gut oder noch eine Meringue draufgeben. Dafür währendessen das Eiweiß aufschlagen und den gesiebten Puderzucker unterschlagen bis eine feste Meringuemasse entsteht. Auf der abgekühlten Zitronentarte verteilen. Achtung nochmals Entscheidung: Entweder als kleine Punkte, was etwas zeitaufwändiger ist oder wenn man am Sonntag Besseres zu tun hat, einfach die ganze Masse verteilen und danach mit einem Löffel ein schneckenförmiges Muster ziehen oder Zacken herausziehen. Ist nicht zu 100% Piere Herme, aber geht auch. Dann entweder mit einem Flambierbrenner oder wer so etwas nicht hat, wie ich, einfach für zwei Minuten auf die oberste Schien im Backofen bei über 200 Grad stellen, bis sich ein leicht brauner Rand bildet. Zitronen- oder Limettenraspeln drauf für die Optik, wer mag.

Sich sehr entschieden sofort ein Stück abschneiden und essen. Aufhören zu überlegen, ob das eine gute Entscheidung war oder nicht. Höchstens darüber nachdenken, ob man nochmals ein zweites nehmen sollte.

tarte_au_citron_3 (2)

5 Responses

  1. mme ulma sagt:

    so geht entscheiden.
    schon allein durchs mitlesen spüre ich, wie ich besser darin werde.
    und ich könnte ganz entschieden mindestens zwei stücke davon verputzen.
    entscheidungsreue – die kenne ich ja zum glück nicht.

  2. Anne sagt:

    ich bin auch so. ich entscheide schnell. und weiß meist sofort „will ich haben“. wenn ich zögere, weiß ich mittlerweile: das zieh ich dann eh nie an und lass es mittlerweile hängen. das „brauch ich, will ich, passt zu mir“ gefühl ist sofort da ansonsten. nicht nur bei kleidern.
    und ich bin eh überzeugt: entschieden haben wir uns alle im bauch innerhalb von milisekunden. fühle können diese entscheidung nur lange nicht hochholen und wahr haben. aber tief drinnen, da weiß man es schon. ich glaube sehr an instinkt und intuition. liege damit meist auch nicth falsch.

    leider mag ich kein meringue 🙁

  3. stepanini sagt:

    Geht auch ohne. Meringue meine ich.
    Das mit den Kleidern – habe ich auch gemerkt, dass es eine Sache des Alters ist oder für mich zu wissen, was mein Stil ist.

  4. Iris sagt:

    Liebe Stephanie,
    gestern habe ich einen großen Küchenkampf gestartet und zwei Zitronentartes gebacken. Einen für meine Cousine zum Geburtstag heute, einen für uns gestern. Wenn schon, denn schon. Der Teig wollte überall kleben nur nicht in der Form – ich weiß gar nicht, wie man das anmutig macht? Das Ergebnis aber ist wunderbar. Danke dir für das Rezept.
    Einen schönen Sonntag
    Iris

  5. stepanini sagt:

    Liebe Iris,

    hm, schon zu weich gewesen. Der Teig ist ja eine französische Mimose. Ist er zu hart, lässt er sich nicht rollen. Ist er zu weich aufgetaucht, klebt es. Was aber hilft. Ihn zwischen der Frischhaltefolie auszurollen. Das habe ich mal irgendwo gelesen. Und dann als ganzes oder schon angeschnitten in die Form. Wenn die mit Backpapier ausgelegt ist, geht es auch besser.
    Genug der schlauen Ratschläge.

    Liebe Grüße

    Stephanie

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