Monate: September 2016

frei zu lesen

Ich musste es kaufen. Es war der Titel. Es ist ein beeindruckendes Buch. Françoise Giroud war eine beeindruckende Frau. Sie hat vieles hinterlassen. Unter anderem einen Text, der 2013, da war sie schon zehn Jahre tot, auftauchte und vor drei Jahren veröffentlicht wurde. „Ich bin eine freie Frau“. Girod schrieb in ihrem Leben über 30 Bücher. „Ich bin eine freie Frau“ war nicht als ein solches geplant. Freunde rieten von der Veröffentlichung ab. Girod schrieb es nicht um ein weiteres Buch zu schreiben. Sie schrieb es nach einem gescheiterten Selbstmordversuch, um sich und das Geschehene besser zu verstehen. Ihr damaliger Geliebter, mit dem sie gemeinsam das Nachrichtenmagazin „L´Express“ gegründet hatte, verlies sie und schmiss sie aus der Redaktion. Sie hatte beides verloren. Ihre Liebe und ihre Arbeit, die für sie immer mehr als nur Broterwerb war. Sie schrieb, um wieder ins Leben zu finden. Sie verfasste damals einen Text. Schonungslos, offen und ehrlich, wie ein Schreiben sein kann, wenn einer alles verloren hat und auf der Suche ist nach seinem Platz in der Welt. Sie analysiert, …

Montagsmögen

Jeden Montag: Zwei, die ich mag. Das Wissen, dass es nicht nur mir so geht und die Hoffnung, dass die wirklich guten wiederkommen. Ich mag diese Tasche. Das Wissen, dass alles reinpasst, eingeschlossen. Die Hoffnung, dass ich dann vielleicht mal Schlüssel, Geldbeutel und was ich gerade brauche und nicht einen Teebeutel, von dem ich überhaupt nicht weiß, wie er da gelandet ist, habe ich noch nicht verloren. Ich mag dieses Lied. Weil es ein Klassiker ist. Und die Botschaft zeitlos: Nicht aufgeben. Die Hoffnung, den Glauben an sich selbst und dass sich die Dinge fügen.

auf die französische Art

Französisch. Wenn etwas französisch ist, ist es nicht einfach nur französisch. Dann ist es elegant, es ist leicht, es hat das gewisse Etwas. Das bekommen nur wenige Nationen so hin. Das beste Kompliment beim Securitycheck am Flughafen ist es immer, wenn ich gefragt werde: „French“? Nein, bin ich nicht. Aber wenn ich mich wie eine kleide, ist alles gut. Französinnen können alles besser. Essen, Kinder erziehen, schlank bleiben, aussehen, sich anziehen, sprechen. Und das immer unangestrengt. Wo der Deutsche bemüht ist, ist die Französin entspannt. Zumindest ist es das, was man ihnen nachsagt und womit sich wohl gut Bücher verkaufen lassen. Unangestrengt gut aussehen. Nonchalant. Die Haare ein wenig zerzaust, nicht glattgekämmt und zu bemüht. Das Chanel-Kleid nur zufällig übergeworfen. Ein Baguette im Arm und olala – toller Anblick. Clafoutis oder französischer Pflaumenkuchen und Zwetschgendatschi sehen zwar beide nicht sehr aufgeräumt aus, aber mit seinem Hefeteig, der per se viel Zubereitungszeit in Anspruch nimmt, ist die französische Variante um so vieles unkomplizierter. In der Zeit, in der man sonst knetet, kann man nachsehen, wie das mit dem französischen Lifestyle nochmal so geht. Es …

Kleine Ahnung

Ein kleines Video von nicht einmal drei Minuten. Wolf Wondratschek, den ich bewundere, der mich immer wieder anrührt. Ich habe mich oft seiner Worte bedient, wenn meine eigenen nicht ausreichten. „Geh nicht weg wie jemand, der nicht wiederkommt. Komm nicht zurück wie jemand, der bleibt“ hat er geschrieben und als einer mich fragte, wie viel Nähe mir den genehm sei, war das die Antwort. „Nicht ein Augenzwinkern verrät, dass sie gern leben“, schreibt er in seiner »Kleinen Rede an die Herren in den Flugzeugen“ und das war der Satz, den ich zitierte, als ich erklären sollte, warum es nicht mehr ging. Eine Ahnung von ihm und seiner Arbeit gibt dieser kleine Film. Von seiner Bedingungslosigkeit sich selbst, seiner Arbeit und dem Leben gegenüber. Wondratschek, der ging, der verschwand, und wer macht das schon, weil er nicht einverstanden war mit dem Bild von sich selbst und dem, das andere von ihm hatten. Man erhält eine Ahnung davon, wie es ist, wenn einer sein Leben ganz der einen Sache widmet. Dieses sich nicht zufrieden geben, das immer weiter suchen. Darüber, wie schwer es Gedichte heute haben und damit nochmals mehr die Menschen, …

Montagsmögen

Jeden Montag: Zwei, die ich mag. Zeit zu haben. Für nichts bestimmtes und alles. Dann finden sich Dinge. So habe ich die Künstlerin Esther Stewart entdeckt und bin ganz angetan. Rothko-like, nur anders. Ich genieße es gerade so sehr Zeit zu haben um draußen zu sein und ziellos durch die Felder zu spazieren. Am liebsten in meinen liebsten Cortez-Sneakern. Ich mag dieses Lied so sehr. Stairs and Steps von Charlie Key. Wenn ich mich schon selbst nicht im Spielen verlieren kann, dann wenigstens selbstvergessenem Spielen zuhören. Die Wirkung ist dieselbe. Vielleicht ist es überhaupt das: So viel Zeit zu haben, das man sie ganz vergessen kann.

Keine Angst

Ich sollte einen Fragebogen ausfüllen. 15 Fragen. Eine davon: „Wovor hast Du Angst?“ Das ist leicht beantwortet, das geht schnell, dachte ich. Ging es nicht. Ich, die ich mich Angsthase nenne, weil mich vieles immer wieder Überwindung kostet, musste erst einmal überlegen. Ich habe keine Angst vorm Fliegen. Das war mir in meinem Berufsleben jahrelang sehr hilfreich, denn die Qualen des frühen Aufstehen um vier Uhr für die frühen Flüge wurde durch das einstündige Schlafen im Flugzeug deutlich gemildert. Eingestiegen, Wolken und die Sicht von oben bewundert und schon war ich eingeschlafen. Ich habe zwar nicht überhaupt keine Angst vor Höhen, lediglich einen gesunden Respekt, aber nicht so großen, dass ich Aussichtstürme, Hochhäuser nicht genießen könnte. Ich bevorzuge einen gewissen Abstand zu Spinnen, aber Angst ist das nicht. Ich habe keine Angst vor öffentlichen Auftritten. Das war nicht immer so. Anais Nin hat einmal gesagt, dass wir weniger Ängste haben, je mehr wir uns unseren Ängsten stellen. Das habe ich beherzigt und es hat mir geholfen über die Jahre. Geblieben ist ein Kribbeln im Magen …

Montagsdienstagsmögen

Jeden Montag, manchmal auch erst Dienstag: Zwei, die ich mag. Das Gute sehen. Abschiede können einen auch bitter werden lassen. Aber nichts und niemand sollte so viel Macht haben. Deshalb: see the good. Das mag ich und das werde ich. Konsum ist keine Lösung, aber mit diesem Frida Kahlo Shirt als Erinnerung an eine, die mich immer fasziniert hat, ob ihrer Fantasie, ihrer Kraft allen Widerständen des Schicksals zum Trotz. [Oder dieser Sweater. Ganz ohne Begründung, weil wie schön ist der bitte?] Ich mag dieses Lied. Auch wenn es nur ein kleiner Ausschnitt ist, enthält es die für mich wichtigsten Zeilen: „Ich kann den Wind nicht ändern, aber die Segel drehen. … Es ist nie zu spät… Herzlich willkommen: NEUANFANG.“

nicht den Erwartungen entsprechend

„Ist das das Neue von Capus? Ich mochte Léon und Louise so sehr. Ist es gut?“ wurde ich oft gefragt, wenn jemand das Buch bei mir entdeckte. Ja, es ist das Neue von Capus. Ich mochte Léon und Louise auch sehr. Und ja, es ist gut. Es ist gut, aber ganz anders. Wenn man es nicht wüsste und es nicht auf dem Umschlag stünde, käme man nicht darauf, dass es ein und derselbe Mensch geschrieben hat. Das hat manche enttäuscht. Man hätte etwas anderes erwartet, heißt es. Es gibt eine Stelle in „Das Leben ist gut“, dem neusten Buch von Capus, in der er sich fragt, warum er schreibt. „Es gibt doch schon so viele Bücher, auch sehr viele sehr gute; viel mehr jedenfalls, als ein Mensch in seiner Lebenszeit lesen kann. Zudem scheint mir an machen Tagen, dass das Leben schon genug sei – dass es das Leben selbst sei, dem man Schönheit einhauchen müsse, statt es mit Kunst aufzuhübschen wie einen Weihnachtsbaum.“ Leon und Louise ist hübsch, sehr hübsche Kunst. „Das Leben ist …

Dienstagsmögen

Jeden Montag und in Ausnahmefällen auch mal dienstags: Zwei, die ich mag. Diesen zeitlosen Satz von Georgia O´Keefee.  Und ich schiebe Nassim Taleb hinterher, die gesagt hat: „What you know cannot hurt you.“ Furchtlos dem Leben begegnen. Für das ewige Auf und Ab bin ich bestens gerüstet mit diesen Schuhen. Wellenschuhen. In grau oder in rot. Immer ohne Socken, leichtfüßig, weil barfüßig im Herzen. Während ich keine Angst habe und alles in Bewegung ist, mag ich, ach was, liebe ich dieses Lied. Waiting for the moment ist so schön smooth und leicht. Morgens zu hören. Am Abend: No fear of falling für den Fall der Fälle, dass man/ ich doch auf dumme Gedanken kommen sollte.

trotzdem

„Ich mache, weil ich will. Weil es mir Spaß macht. Denn das Schöne, glaube ich, entsteht nicht aus Notwendigkeit, sondern ihr zum Trotz.“ Steht in „Das Leben ist gut“ von Alex Capus.

aufgelistet: Innerlich unabhängig

Manchmal schnappe ich kleine Fragmente auf. Keine großen, weltverändernden Gedankenblitze, aber kleine Ideenglühwürmchen. Unabhängig, unzusammenhängend. Manchmal kann ich sie an etwas anknüpfen was sich in meinem Kopf schon geformt hat, manches Mal nicht. Ein anderes Mal finde ich auch einfach nur den Gedanken an sich schön, manchmal zum Weinen schön. Da muss sich nichts zusammenfügen. Das darf einfach so stehen bleiben. Manches Mal und mit manchen Menschen tausche ich das Stückwerk aus und manches Mal knüpfen sie bei einem anderen an etwas an und etwas Neues formt sich. „Die innere Unabhängigkeitserklärung“ ist ein Fragment. Eine schöne Wortkonstruktion, die ich aufgeschnappt habe. In den Kommentarspalten, in denen sonst weniger Erquickliches zu finden ist. Aber die guten Perlen sind oft fein versteckt. Ein Redner fand diese Worte, als ihm passendere fehlten. Was der Tenor, das Motiv einer Gruppe Studenten in einer Diskussion gewesen sei, wurde er gefragt. Genau könne er es nicht sagen. Etwas wie eine innere Unabhängigkeitserklärung schiene ihr Antrieb zu sein, antwortete er. Eine innere Unabhängigkeitserklärung. Was ein wundervoller Gedanke. Die sollte eigentlich jeder schreiben und …