Mach Dir kein Bildnis

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14956645523_3df4784edb_z15390180189_8e1de02225_zDie Frage nach der Realität ist natürlich eine sehr große. Da wäre die eigene, die die wir zu kennen glauben, die die wir sehen und wahrscheinlich noch viele mehr. Es ist kompliziert. 
Nicht, dass dieses Buch es einfacher macht. Im Gegenteil. Es macht das, was oft passiert, wenn man eintaucht. Eine Schicht aufgebrochen, nur um zu entdecken, dass dahinter noch viel mehr sind. Ich sagte, es ist kompliziert.
Ich mochte das Bild auf der Schutzhülle. Die Melancholie. Wie die Frau durch den Fluß watet, den Rock angehoben. Erfrischung an einem heißen Sommertag.
Aber es ist komplizierter. Die Fotografie stammt aus 1942. Die Frau wurde als lebendes Minensuchgerät eingesetzt.
Und schon ist er da der Moment, in dem ich merke, dass ich nichts verstehe.
Und für diese Erkenntnis mag ich Bücher und Menschen. Die zwei, von denen ich glaube, dass sie mich am meisten prägen.
Wie viel Wirklichkeit hinter Bildern steckt, versucht dieses zu erläutern. Eine Schule des Sehens ist es. 

„Es liegt an uns, den Wirklichkeitsgrad der Erscheinungen zu bestimmen.“ Diesen Satz und noch viele mehr, habe ich mehr herausgeschrieben. Das könnte eine Zusammenfassung sein oder auch nicht. Denn auch auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen: Es ist kompliziert. Aber es lohnt sich.

Sommerpackliste

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yeah_sommerLos geht es erst im Juli. Aber im Kopf schon einmal gepackt. Eine Liste geschrieben. Denn im Listen schreiben bin ich groß.

  • Ein Kleid oder eine Bluse. Je nachdem, wie braun die Beine schon sind. Auf jeden Fall ist es rot und es sind Blumen drauf. [1] Und was soll einem damit schon passieren?
  • Ich bin fest davon überzeugt, dass mit Flip Flops an den Füßen jeder Weg, den man zu gehen hat, ein leichterer ist. Und in Kupfer nochmals mehr [2].
  • Ich sehne mich nach diesem Ort. Obwohl ich noch nie da war. Aber bald. Ganz bald. Solange blättere ich noch ein wenig [3].
  • Diese Becher [4]. Sind so zart, schön und filigran. Ich mag sie sehr.
  • Gestreifte Shorts [5]. Anziehen, angezogen sein. Sich wie Sommer fühlen, wie die Haut riecht, wie sie nur im Sommer riecht. Nach Meer, selbst wenn es ganz weit weg ist.
  • Ich mag Kleider. Elegante, schlichte, die die sich zurücknehmen [6] und mir dadurch mehr Raum geben. Aber das habe ich erst später verstanden.
  • Ich weiß nicht, was mich mehr berührt. Die Bilder oder die Texte [7]. Neugier, Traurigkeit, die großen Fragen des Lebens. Verstehen und doch wieder nicht. Alles drin.
  • Hatte ich schon gesagt, dass ich Kleider gerne mag? In weiß und feiner Spitze auch [8]. Oder vielleicht nochmal mehr.
  • Das Leben ist eine Wundertüte. [9] Verdammt. Ja, das ist es.
  • Cape. Ein Cape. Weil es einhüllt. Und sich einzuhüllen tut manchmal gut [10].
  • Ein Lied, das ich mochte und noch eines und dieses unbedingt auch und bevor noch fünf kommen, einfach ein Hoch auf Musik, die mit mir macht, was eben nur Musik machen kann. Und doch noch einen: Einen Film, von dem ich eben solches sagen kann oder noch mehr. Einer, der Mut macht, fröhlich ist und nachdenklich stimmt.

Yeah.

Unterhaltungsprogramm

29. Mai

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16153073761_eb7f400708_kÜber das Wort Entertainment nachgedacht. Wie ihm so etwas Anrüchiges anhaftet. Wie es kleingeredet wird als Gabe. Prosieben-Shows, Glitzermädels und seichte Unterhaltung.

Wie aber doch auch so eine unglaubliche Größe in diesem Talent liegen kann. Wie im Gastgeber sein. Andere unterhalten, wirklich unterhalten, kann nur gelingen, wenn man sich selbst auch zurücknimmt und gleichzeitig voll da ist, sich reingibt. Wenn man nur der ist,  der den Boden bereitet, Platz und Raum gibt für mehr, sich einlässt.

Und dann fiel mir diese Worte von Connie Palmen wieder ein, die sie für ihren Mann fand:“ Er macht Menschen fröhlich, glücklich und ein wenig weiser. Er bewirkt, dass sich etwas in ihnen löst, und ihn dabei beobachtend sehe ich plötzlich, welche Güte, Freigebigkeit und Intelligenz dazu gehören, andere zu unterhalten. Es steckt viel Liebe in der Unterhaltung und im Geschichtenerzählen.“

Let me entertain you. Was damit doch möglich ist. Sein könnte.

Musiklehre

27. Mai

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17830028871_48d1d5e94a_k17830019171_8ad8945d05_kMusik zu erläutern ist sinnlos. Entweder sie erschließt sich einem oder eben nicht. Entweder sie rührt an, regt auf, bewegt etwas oder sie lässt einen kalt. Wo Töne nicht ankommen, helfen auch keine Worte weiter.
Bei dem Köln Concert möchte ich eine Ausnahme machen. Weil es eine Ebene hinter der Musik gibt. Zumindest für mich.

Zwei Gründe, warum man es hören sollte. Immer wieder.
Keith Jarret improvisiert. Dieser Satz, der sich so leicht liest, bedeutet in der Konsequenz, dass dieser Mann eine Bühne betritt in dem Wissen, dass über tausend Menschen im Publikum sitzen mit der frohen Erwartungshaltung für ihr bezahltes Eintrittsgeld nun auch entsprechendes Entertainment zu erhalten. Er hat aber nichts. Außer sich selbst. Er weiß noch nicht was kommt, ob etwas kommt. Er muss darauf vertrauen, dass es im richtigen Moment einsetzt. Jeder, der schon einmal vor einem weißen Blatt Papier saß oder auf die zündende Idee gehofft und gewartet hat, der kann sich ausmalen, welch immensen Druck dies bedeutet, wie klar und fokussiert der Kopf sein muss, wie frei der Weg zum Herzen, wo sie sich verstecken, die Töne.
Das hört man dem Stück an. Dieses Herausbrechen. Dass es kein Abspielen ist, kein Wiedergeben von etwas bereits Bekanntem, dass da nichts Einstudiertes ist. Sondern manchmal ein Vulkan und dann wieder ein sanfter Strom seinen Weg findet. Das trifft dann. Mittenrein. Mich zumindest. „Solokonzerte sind so ziemlich die enthüllendste psychologische Selbstanalyse, die ich mir vorstellen kann“, hat er selbst dazu gesagt. Vor dieser Verletzlichkeit, dieser Offenheit, die so schwer ist, die so weh tun kann, verneige ich mich und sie tut alles, aber kalt, kalt lässt sie mich nicht. Und hilft darauf zu vertrauen und dem zu trauen, was in einem steckt.

Dann ist da noch etwas, das nur ganz weit entfernt mit Keith Jarret oder dem Jazzgenre zu tun hat. In Minute 6:05 hustet ein Mann. Ich glaube, es ist ein Mann. Weil es so ein dunkles, kehliges Husten ist. Ein verlegenes, unterdrücktes. 
Ich frage mich manchmal, wer dieser Herr wohl ist, der jetzt für immer auf einer der größten Musikaufnahmen dieser Zeit verewigt ist. Vielleicht hatte er überhaupt keine Lust auf den Abend, ist nur seiner Frau zuliebe mit, einmal die Woche zum Kulturprogramm verpflichtet. Es sind die kleinen Zugeständnisse, die eine Ehe erträglich machen. Da sitzt er nun, es kratzt im Hals und da hilft kein Unterdrücken und kein Herunterschlucken mehr. Vielleicht hat er dafür einen Schubs mit dem Ellbogen in die Seite kassiert oder zumindest einen strafenden Blick. Egal.
Denn er ist nun für immer auf dieser Aufnahme zu hören. 
Das war ihm damals sicher nicht bewusst. Ein Abend wie jeder andere, müde von der immer gleichen Büroarbeit, der Stau im Feierabendverkehr, der an den Nerven zehrt, Fußball schauen wäre ihm lieber gewesen, aber das Konzertabo muss sich rechnen. Und dann das: Festgeschrieben und eingebrannt in die Musikgeschichte. Verewigt auf 3 1/2 Millionen verkauften Tonträgern. Für immer.

In meiner Küche hängt ein Spruch. „Enjoy it. Because it is happening„. Der hängt da, weil ich sehr viel und gerne Zeit in der Küche verbringe. Oft vergesse, da zu sein. Nicht in der Küche, sondern bei dem, was ich tue. Ich hänge vergangenen Tagen, Wochen, Zeiten hinterher oder träume mich in eine glänzende Zukunft. Was erst sein wird, wenn ich dies und das gemacht habe, damit fertig bin und überhaupt. Nur das Dazwischen, das Mittendrin – da zu verweilen wo ich gerade bin fällt mir schwer. Dabei sitze ich vielleicht gerade mitten in einem Köln Concert und merke es nicht. Es wird nie wieder so aufgespielt wie heute Abend. Es gibt keine Vorankündigung  für die großen Momente des Lebens. Kierkegaard hat gesagt, dass das Leben nach vorne gelebt und nach hinten verstanden wird. Erleben geht nur mittendrin.

Musik bedarf keiner Erläuterungen. Aber wenn der Kopf und das Herz einmal geweitet sind, können sie auch nicht einfach wieder zurück. „A mind once stretched can never go back to it´s old dimensions“, habe ich einmal gelesen. Wenn ich das Köln Concert höre, dann höre ich es manchmal einfach nur, weil es mich so unendlich ruhig macht. Aber manchmal wenn es so zufällig in der Playlist auftaucht, dann schwingen auch diese zwei Gedanken mit, die ich gerne immer wieder vergesse: Dass ich dem Leben und mir vertrauen darf und nichts zu tun habe, außer den Moment zu genießen, weil er das einzige ist, was wir haben.
Funktioniert natürlich auch ohne dieses Stück. Für wahrscheinlich sehr viele Mensch. Mir tut diese sanfte Erinnerung ab und zu gut.
Genug erläutert.
Der Rest ist Leben.

Montagsmögen

25. Mai

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montagsmoegenJeden Montag: Zwei, die ich mag. Das Durcheinander, weil es sich gleichzeitig auch so lebendig anfühlt. Völliges Wirrwarr, aber das Wissen oder vielmehr Vertrauen darauf, dass es gut wird und doch irgendwie zusammenhängt. Realisieren, dass ich im Theorietisieren formidabel, aber in der praktischen Umsetzung miserabel bin zuweilen. Daraufhin Keith Jarret hören. Das Köln Concert. Part II c vor allem. Ach was. Alle. Sich in der Musik von dem verlieren, der immer improvisiert hat, der bei keinem Konzert im Vorfeld wusste, was am Ende herauskommt, der nur darauf vertrauen konnte, dass alles in ihm steckt und zur richtigen Zeit zutage tritt. Der sich so völlig hingegeben hat, eingelassen, wie kein Zweiter. Wenn ich es lange genug höre, dann fällt immer etwas für mich ab.

ein Haufen Arbeit

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workinprogressworkinprogress_2Das mit der Arbeit ist so eine Sache. Noch eine, die ich, wie so vieles noch nicht raus habe. Seit Anfang des Jahres beschäftigt sie mich mehr. Oder eigentlich schon länger. Wenn es darum geht, wie Neues in die Welt kommen kann und das ist meine Hauptbeschäftigung, während dieser Ort ein Nebenschauplatz ist, dann ist es systemimmanent Altes und Bewährtes in Frage zu stellen. Wie könnte es denn doch gehen? Muss das so sein? Was wäre, wenn es doch ginge? Das treibt mich an.

Natürlich bin ich Teil des Systems. Ich arbeite viel und gerne. Gehe auf in dem, was ich tue. Zuweilen zu sehr vielleicht. Und ich habe schon alle Arbeitsformen ausprobiert. Selbstständig, eigenes Unternehmen, angestellt, Freelancer. Manchmal auch alles zusammen und gleichzeitig. Hatte schon mehr und mal weniger Verantwortung. Manches war Broterwerb und manches reine Lusterfüllung und Freude am Tun. Manchmal auch beides zusammen und gleichzeitig. The Slash Generation heißt es dann wohl oder digitale Boheme, weil das Ausleben der verschiedenen Varianten meiner Selbst meist das Digitale überhaupt erst möglich macht.

Wie sähe es aus, nicht die Erfüllung in der Arbeit zu suchen und zu finden, aber doch in ihr aufzugehen, mich nicht über die eigene Leistung zu definieren, die Grenzen zu kennen und dennoch etwas zu schaffen, einen Beitrag zu leisten, weil es doch gut tut, das Können und alles Hineingeben und etwas bewegen?
Wie das gehen soll, weiß ich auch nicht. Dass es gehen kann, hoffe ich. Wie schwer solche neuen Formen sind, das ahne ich. Weil sie an Grundfesten rütteln. An unserem Verständnis von Führung, von Leistung, von Wert, von Kontrolle, von Macht.
Und doch erfahre ich im Kleinen immer wieder, wie viel doch geht. Selbst wenn das immer wieder neu Aushandeln und Verhandeln, das Fragen und Hinterfragen, wo genau meine Rolle ist, die eigene Bedeutung, das Justieren, die fließenden Grenzen furchtbar anstrengend sind. Es lohnt sich. Einer muss es doch tun.

Drei Filme habe ich in letzter Zeit zu diesem Thema gesehen, die mich nachdenklich gestimmt haben:

Auf Augenhöhe ist ein Film, der neue Formen der Arbeit und der Zusammenarbeit beschreibt. Die kleinen Firmen sind es, die mich bewegen. Weil ich bei den großen oft das Gefühl habe, dass es doch nur um die Leistungssteigerung geht und dafür jetzt ein neues Etikett gefunden wurde. Innovative Formen der Zusammenarbeit als die die neue Nachhaltigkeit. Aber wenn eine Klinikangestellte im herrlichsten Schwäbisch davon berichtet, wie der Umzug in ein anderes Haus ganz ohne Regeln und Plan geklappt hat, einfach weil jeder mit angepackt hat, dann ist das ein wunderschöner Moment. Und ein ebenso trauriger, wenn sich ein Fließbandmitarbeiter freut, dass er begrüßt wurde von der Leitungsebene. Das sei ja nicht selbstverständlich.

+ Frohes Schaffen. Ein Film zur Senkung der Arbeitsmoral. Grandios. Rettet die Arbeitswütigen und führt sie vor. Die Religion der Arbeit, das Glaubenssystem, die Glorifzierung des Beschäftigtseins, die Selbstoptimierungsspirale. Er stellt so vieles, wenn nicht gar alles in Frage. Jeremy Rifkins, der sowieso sehr konsequent denkt, kommt zu Wort. Einer der traurigsten Momente ist ein Real Life-Center, ein simulierter Supermarkt, in dem Langzeitarbeitslose mit Spielgeld 40 Stunden dem Kreislauf angepasst werden. Ganz feste schlucken musste ich.

+ Work hard, play hard ist quasi die Fortsetzung. Denn die Antwort alleine ist nicht nur Freiheit. Oder neue Formen wie Leanmanagement. Da weht so ein kühler Wind durch diesen Film. Es lässt einen zittern vor Kälte. Einmal mehr, weil es sich nicht um Fiktion handelt, keinem Drehbuch gefolgt wird, sondern es sich um eine Dokumentation und damit nur die reine, nackte Realität ausgeleuchtet wird.

Aber aufgeben gilt nicht. Schöne Beispiele, die ich – nicht nur – von der „Work in progress“ im Frühjahr in Hamburg mitgenommen habe. Lösungsansätze, die nicht aus der Politik kamen, sondern von Einzelnen, von Querdenkern, Andersmachern, Trotzdemhandlern.

  • Dark Horse, eine Agentur gegründet von 30 Freunden, die immer wieder neu aushandeln was Arbeit für sie ist, ob die 70-Stunden-Woche oder die zwei Monate im Jahr auf Bali, wie sich Zusammenarbeiten organisieren lässt. 
  • Beim Digital Bauhaus im Juli geht es unter anderem viel um Social Entrepreneurship. 
  • Anna von blinkblink, die immer wieder neue Formen ausprobiert des Arbeitens und Zusammenarbeitens.
  • Das Kunstprojekt Schwarzmarkt und Florian Dohmann, der unter anderem dahinter steckt. Der den Wert von Arbeit hinterfragt. 4 Tage die Woche arbeitet und den fünften der Kunst widmet.
  • Thomas Sattelberger, ehemaliger Telekom-Personalvorstand mit guten Thesen über die Herausforderungen, vor denen große Unternehmen stehen.
  • Geesche Jost außerdem, die fragt und sich fragt, wie die Rolle einer Professorin aussieht, wenn doch alles Wissen verfügbar ist im Netz und sowieso schnell veraltet und die neue Formen der universitären Wissensvermittlung schafft. Eine Plattform.
  • Van Bo Le-Mentzel, von dem ich seine Hartz-4-Möbel kannte, auf dessen Vortrag ich gar nicht so Lust hatte und der mich dann so beeindruckt hat durch seine Gedanken, seine unaufgeregte Art, sein Hinterfragen unserer Nachhaltigkeits-Wertschöpfungskettendenke, das Verbinden des asiatischen mit dem westlichen Gedankengut.
  • Und die Klassiker: Superwork und „work is not a job“ und „Im Augenblick“ – sowieso immer wieder gut.

Keine Ahnung, wie es gehen kann. Noch viel Arbeit.
Aber in diesem Falle gute.
Und vielleicht finden sich ja noch mehr, die daran mitarbeiten.

aufgelistet: Glücksversuche

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stepaniniFee hat mich vor längerem gefragt, was Glück für mich ist. Mein Kopf hat versucht zu antworten. Dabei spielt der in der ganzen Geschichte die kleinste Rolle. Aber so wenig ich das Glück halten kann, so wenig konnte ich es in Worte fassen, geschweige denn die richtigen finden. Das was mich oft umtreibt, dieses Unvermögen mich auszudrücken, eigentlich etwas ganz anderes sagen zu wollen und nicht so wirklich zum Kern vorzudringen – alles dies ist drin im Versuch einer Antwort auf ihre Frage. Aber es ist ein Versuch und ein Versuch ist immer ein Anfang. Ich lerne. Auch das gehört dazu. Entwicklung zuzulassen, die eigenen Schritte wohlwollend stehen zu lassen, gnädig mit mir zu sein und dennoch es versuchen, immer wieder neu. 
Und darüber dann glücklich werden.

Was mir sonst Glücksmomente verschafft hat:

  • Kuttner trifft. In diesem Fall Roger Willemsen, den ich so sehr mag. Und der alleine jede Sendung sehenswert macht. Aber in dieser Kombination, über Verantwortung und das älter werden nochmals mehr.
  • Sesam-Karamell-Kekse – wie gut das klingt. Muss probiert werden.
  • Ein Text über Blogkultur und einer über Literaturblogs. Weil ich diese kleinen Nebenschauplätze so schätze und dankbar bin, dass es sie gibt.
  • Warum ich die re:publica so mag, steht in diesem kurzen euphorischen Post. Genau deshalb. Weil ich nirgendwo so viele unterschiedliche Menschen sehe. In ihrer gesamten wunderschönen Nongenderkonformität. Weil es ein wenig ein Vorschau auf eine Welt ist, wie sie doch auch sein könnte. Und dass es geht, zeigt diese Aktion. Macht mich hoffnungsvoll. Und glücklich.
  • Dieser Film. Die Sehnsucht. Des Suchens, des Aufbrechens, des Mut habens – alles ist da drin. Aufgewühlt habe ich ihn heute gleich nochmals gesehen.
  • Das mit der Authentizität. Komplizierte Sache.
  • So schöne elf Fragen. Und Antworten.
  • Ein Interview, dass mich staunend, dankbar, klein zurücklässt.
  • Ein wunderschönes Lied.

[Bilder von einem glücklichen Sonntagsmoment mit Sophie]

Wissensfrage

23. Mai

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170„Es scheint selbstverständlich – und dennoch muss es unaufhörlich bewusst gemacht werden: Das Wissen, das sich hochqualifizierte Spezialisten auf eng begrenzten Gebieten verschaffen, wird immer ein isoliertes Wissen bleiben und niemals einen Wert an sich verkörpern können, sondern einzig und allein nur insoweit es in einer Synthese mit allem anderen Wissen zur Beantwortung dieser einen Frage beizutragen vermag: „Wer sind wir?“

Erwin Schrödinger. Der mit der Katze.

maßlos gut

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0561In Zeiten des Maßhaltens, der grünen Smoothies und Tofuwürstchen ist es leicht zu vergessen, wer der beste Geschmacksträger ist. Butter nämlich. Butter, Butter, Butter. Oder wie es Wolfram Siebeck als die entscheidende Zutat für Kartoffelpüree beschreibt: Butter bis der Krankenwagen kommt. Für den besten aller Milchreise gilt: Und dann noch ordentlich Sahne hinterherkippen. 
Die Belohnung ist ein sämiger, ganz weicher, sanfter Milchreis.
Vor dem Butterschock bewahren der Krokant und die Orangenhälften.

Michreis mit getränkten Orangen und Kürbiskernkrokant.

* 180 Gramm Milchreis
* 1 Vanilleschote
* 1 Liter Vollmilch
* 100 Gramm Zucker
* 1/2 Liter Sahne
* 150 Gramm Butter

Den Milchreis in einem Topf mit etwas Butter anbraten. Mit der Milch auffüllen und zum Kochen bringen. Das Mark der Vanilleschote herauskratzen und in die Milch-Reis-Mischung geben. Die gesamte Schote auch gleich mitköcheln lassen. Ungefähr 20 Minuten auf dem Herd köcheln lassen. Immer umrühren dabei. Den Zucker zum Schluss hinzugeben.
Gegen Ende die Butter unterrühren und geschlagene Sahne unterheben.

* 150 Gramm Zucker
* 50 Gramm Kürbiskerne

Den Zucker mit 3 Esslöffeln Wasser in einem Topf erhitzen, so lange bis er geschmolzen ist und goldig wird. Das kann dauern. Die Kürbiskerne schnell unterheben und dann die Mischung auf Backpapier verteilen. Das sollte schnell gehen. Trocknen lassen.

* 2 Orangen
* Calvados 
* Vanilleschote

Orangen filetieren und in Calvados, dem ausgekratzen Vanillemark und der Vanilleschote über Nacht ziehen lassen. Als Schicht unter oder zwischen den Milchreis legen. Kürbiskernkrokant obendrauf.
1610907_842221452515697_656976466673381688_n[letztes Photo von Viviana D´Angelo]

Montagsmögen

18. Mai

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Unbenannt-1Jeden Montag: Zwei, heute drei, die ich mag. Französinnen, Frankreich. französische Küche. Elegant und klassisch, aber nie zuviel die Mode. Die Sprache so geschwungen schön. Und die Küche und überhaupt. Alleine der Bilder wegen, blättere ich gerne in diesem Kochbuch. Der Teppich ist zwar aus Dänemark, trotzdem sehr schön und wer wird es denn in Zeiten Europas so genau nehmen? 
Dann wäre da noch ein Lied, das länderübergreifend Anhänger finden wird. Denn „if you gotta go, go now“ hat sich wohl jeder Mensch schon einmal gedacht.
Happy monday. 

Berlinesque

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064 067 071 - Kopie 004 - KopieVier Tage in Berlin. Und wieder einmal gemerkt, wie sehr ich sie mag, diese Stadt. Sie ist so anders als München. Sie irritiert. Immer wieder. Sie ist nicht gefällig, regt auf, ist greller und lauter, ein wenig hässlich und dadurch wieder so schön. Sie lässt einen nicht so in Ruhe, sondern wühlt auf und das tut gut zuweilen. 
Wegsehen geht da nicht. Dazu gibt es auch zuviel zu entdecken.