Mitbringsel

Gestern hatte ich Sehnsucht. Ich habe Räucherstäbchen angezündet. Das half. Wenn ich eines früh gelernt habe, dann das Reisen um vor sich oder irgendetwas wegzulaufen nicht funktioniert. Man nimmt sich immer selbst mit. Was hingegen hervorragend funktioniert: Reisen lässt einen als Anderer zurückkommen. Das sind die Mitbringsel der besonderen Sorte. Ich war schon lange nicht mehr gereist. Ich war unterwegs und viel weg. Mal ein paar Tage Südtirol, schnell in die Schweiz, übers Wochenende nach London, ein Abstecher nach Strasbourg, eine Woche Luft holen im Norden. Aber die Art des Reisen, bei dem einem alles Bekannte genommen ist, bei dem…

Ersehntes und Wiedergefundenes

Was sagt man, wenn man länger weg war? Vielleicht besser nichts und man macht einfach weiter. Oder man fängt mit einem Gedicht an, weil Poesie nie verkehrt ist. Vielleicht mit dem des Rechtsanwalt und Poeten Max Ehrmann. "Desiderata" heißt es. Die ersehnten Dinge. Er hat sie als Weihnachtsgrüße und zu Beginn des neuen Jahres versendet. Ich melde mich damit zurück. "Gehe gelassen inmitten von Lärm und Hast und denke an den Frieden der Stille. So weit als möglich, ohne dich aufzugeben, sei auf gutem Fuß mit jedermann. Sprich deine Wahrheit ruhig und klar aus, und höre Andere an, auch wenn sie langweilig und…

Ménage a banana

Es gibt Rezept, die sind unantastbar. Diesem Marmorkuchenrezept bin ich treu. Es geht einfach nicht besser. Bei Bananenbrot hingegen nehme ich es nicht so genau. Da darf man fremdgehen und neue Varianten ausprobieren. Diese beispielsweise. Bananenbrot (aus Green Kitchen at home)   2 Eier 70 Gramm Muscovadozucker 4 Bananen 120 Milliliter Öl 100 Gramm Mandelmehl 120 Gramm Buchweizenmehl 5 Teelöffel Kakaopulver 1 Teelöffel Backpulver 1 Prise Meersalz 25 Gramm dunkle Schokolade 25 Gramm Walnüse 1 Teelöffel Kaffeebohnen 5 Esslöffel Whiskey Den Ofen auf 180 Grad vorheizen. Die Eier mit dem Zucker schaumig schlagen. Drei Bananen, das Öl, Kaffee- und Kakaopulver, Whiskey…

Montagsmögen

Jeden Montag: Zwei, die ich mag. Soweit ich kann, soviel ich kann. Wissen, wann es gut ist. Dass es gut ist. Ich mag dieses Kleid, weil es doch nie nur ein Kleid ist, sondern immer auch eine Aussage. Und dieses sagt: Leicht nehmen. Keine leichte Kost, etwas älter, aber eine kluge Analyse, die mir geholfen hat ein klein wenig besser einzuordnen, was gerade passiert: Streitraum über das Gefühl der Welt. Kommt leicht und gut in die Woche.…

Ein Buch wie Rotweinnächte

Ich glaube, es ist die Nacht. Die Nacht und Küchentische. Die Nacht, Küchentische und Wein. Ein wenig zuviel von letzterem. Die Nacht, Küchentische, Wein und eine Handvoll Menschen, die man gerne hat. Sehr gerne. Wenn das zusammenkommt, dann könnte auch alles ganz anders sein, dann wird angesprochen, was man sich bei Tageslicht kaum aussprechen traut. Dann ist es so dunkel, dass man ehrlicher auf sein Leben blickt. Dann fallen Sätze wie ""Wir wollten doch damals." Ich wollte soviel. Ich wollte die Welt verändern. Alles anders machen als meine Eltern und Schulfreunde. Ich bin allem und jedem mit einer Radikalität, einer…

Dienstagsmögen

Jeden Montag und manchmal auch Dienstag, weil man ja erst wieder in diesen Rhythmus hereinkommen muss: Zwei, Dinge, die ich mag. Da wäre das langsame Aufsteigen, das Wissen, dass es besser wird. Und ich mag diese roten Loafer oder ein rotes Strickkleid. Aufstehen, Musik anmachen und in den Tag reingleiten. Look at what the light did now. Habt eine gute Woche. Geht es langsam an. Aber mit Schwung.…

Auf ein Neues

Ich verfluche Deadlines sehr oft, mehr noch mich selbst, dass ich mich auf eine eingelassen habe. Aber ich bin auch sehr dankbar, dass es sie gibt. Gäbe es keine Deadlines gäbe, würde sich bei mir noch mehr Unfertiges stapeln als es das eh schon tut. Das Jahresende ist gewissermaßen die Grande Dame unter den Deadlines. Ich nehme sie zum Anlass eine Liste zu schreiben. Das tue ich auch in allerlei anderen Zusammenhängen, aber die zwischen den Jahren ist umfassender. Sie ist voll mit all den Dingen, die ich tun möchte und all denen, die ich lieber lassen sollte zukünftig. Das hat…

aufgelistet: Für die Tage dazwischen und die rauhen Nächte

Für die Tage dazwischen. Für die Tage auf der Couch. Für die Tage der vollen Bäuche. Für die der schönen Trägheit. Für die Tage im Jahr, die im Kalender so leer sind wie sonst niemals mehr. Für die Tage, in denen man feststellt, wie viel sich verändert und wie viel gleichgeblieben ist. Für die Tage, an denen man zurückblickt und nach vorne schaut. Für die Tage zwischen alt und neu. Und für die Nächte. Die Rauhnächte. Die Nächte zum Aufräumen, Loslassen, neu beginnen. Einiges das dabei helfen kann sie gut zu verbringen: No one knows me like the piano in…

Schöne Weihnachten

"Ich kann mit drei Worten alles zusammenfassen, was ich über das Leben gelernt habe: Es geht weiter."   Robert Frost  Weil es weitergeht: Das sind keine Plätzchen, für die es schon fast zu spät ist, sondern herzhafte Hafertaler. Sie schmecken ganzjährig unverändert gut. Schafskäse und Rosmarin sind drin. Ich lege gerne Käse obendrauf und streiche Feigensenf drüber. Hafertaler mit Schafskäse und Rosmarin (aus diesem so guten Buch) 200 Gramm Haferflocken 57 Gramm Pecorino 3 Zweige Rosmarin 1/2 Teelöffel Meersalz 2 Teelöffel schwarzer Pfeffer 2 Prisen Paprikapulver 150 Gramm der Haferflocken zu Mehl kleinheckseln. Rosmarinnadeln kleinschneiden. Einen Zweig übriglassen. Das Haferflockenmehl…

Wunschliste

Ja, ich habe genug. Ja, ich brauche nichts. Schön wäre es trotzdem. Dieses Top [1] hat es mir angetan oder diese [2] oder in grau. Diesen Stuhl [3] schmachte ich schon lange an und dieser Mantel [4] zum Warmhalten und diesen Blouson [5] in Samt oder jenen in gestepptem Samt wäre etwas Feines. Sneakers und ich. Wir verstehen uns. Die [6] oder die gute, alte Gazelle Neue Haken für zu viele Mäntel. Ich mag diese Tropfen [7], die machen sich gut an der Wand. Streifenshirt. Always. [8] Schlichte Bluse [9]. Auch immer wieder. Zum Schlafen [10] und Herumlungern. Zum Festlich fühlen [11] und…

Weihnachten, Sinn und Plätzchen

Macht Weihnachten für dich Sinn? hat Micha gefragt. Mich, die ich am Sinn so schwer trage. Nicht nur im Dezember. Es gibt Tage, da erscheint mir alles so unglaublich sinnlos. Wenn ich morgens am Bahnsteig stehe, auf die U-Bahn warte um ins Büro zu gehen. Wenn alle um mich herum hetzen und es eilig haben und ich auch getrieben und schon müde bin, von dem was alles zu tun und zu erledigen ist, bevor ich überhaupt begonnen habe. Wozu das alles, frage ich mich und mir will keine Antwort einfallen. Wenn ich mich unterhalten soll, weil sich das so gehört…

Schlaflos mit vollem Magem

Niemand blickt auf sein Leben zurück und erinnert sich an die Nächte, in denen er geschlafen hat. Ich schlafe sehr gern. Gerne, lange und ausgiebig. Aber ich mag auch die Nächte, in denen ich nicht schlafe. Die, in denen ich koche. Die, in denen ich mir ausdenke, was man aus und mit diesem Raum machen kann - außer eine Tafel darin aufzustellen. Die, in denen ich angespannt bin, weil ich nicht weiß, ob das, was ich mir im Kopf ausgedacht habe auch in der Realität so funktioniert. Die, in denen vieles nicht so klappt, wie es geplant war, aber daraus…

Raus damit

In der Diskussion um 40 Stunden-Wochen, maximale Effizienz und Work-Life-Balance, um Urlaubsanspruch, Erfolg, Selbstverwirklichung, im Rennen ums gesehen werden, fällt das was Arbeit ist und was Arbeit auch sein könnte unter den Tisch. Eine Ausdrucksform. Oder wie Keith Jarret es nach dem Köln Concert einmal formuliert hat: "Wenn die Musik schon in dir ist, dann sollst du sie gefälligst auch spielen." MerkenMerken…

aufgelistet: Irgendwas Gutes

Alles gesammelt, was mich nachdenklich gestimmt, fröhlich gemacht, anders zurückgelassen hat. Eingefangen, was mir gefiel. "Für irgendwas wird es schon gut sein" hat meine Oma immer gesagt. Wenn ein Mensch lebt. Was ein schönes Lied. Alt aber gut. "Nein, es wird nicht wieder gut". Über das Begleiten am Ende. Noch ein Lied. Bin verliebt. How to enjoy life Dieses Interview: "Ich hatte keine große Lust mehr aufs Rechthaben." Ein guter Film: "Die letzte Reise" Gelesen und so gemocht. Das Studium der Philosophie mit 47 und nach 36 Semestern beendet. "Ich denke, dass ich es irgendwie schaffen kann." Noch mehr Verluste. Ein…