Montagsmögen

25. Mai

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montagsmoegenJeden Montag: Zwei, die ich mag. Das Durcheinander, weil es sich gleichzeitig auch so lebendig anfühlt. Völliges Wirrwarr, aber das Wissen oder vielmehr Vertrauen darauf, dass es gut wird und doch irgendwie zusammenhängt. Realisieren, dass ich im Theorietisieren formidabel, aber in der praktischen Umsetzung miserabel bin zuweilen. Daraufhin Keith Jarret hören. Das Köln Concert. Part II c vor allem. Ach was. Alle. Sich in der Musik von dem verlieren, der immer improvisiert hat, der bei keinem Konzert im Vorfeld wusste, was am Ende herauskommt, der nur darauf vertrauen konnte, dass alles in ihm steckt und zur richtigen Zeit zutage tritt. Der sich so völlig hingegeben hat, eingelassen, wie kein Zweiter. Wenn ich es lange genug höre, vielleicht färbt dann etwas auf mich ab. 

ein Haufen Arbeit

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workinprogressworkinprogress_2Das mit der Arbeit ist so eine Sache. Noch eine, die ich, wie so vieles noch nicht raus habe. Seit Anfang des Jahres beschäftigt sie mich mehr. Oder eigentlich schon länger. Wenn es darum geht, wie Neues in die Welt kommen kann und das ist meine Hauptbeschäftigung, während dieser Ort ein Nebenschauplatz ist, dann ist es systemimmanent Altes und Bewährtes in Frage zu stellen. Wie könnte es denn doch gehen? Muss das so sein? Was wäre, wenn es doch ginge? Das treibt mich an.

Natürlich bin ich Teil des Systems. Ich arbeite viel und gerne. Gehe auf in dem, was ich tue. Zuweilen zu sehr vielleicht. Und ich habe schon alle Arbeitsformen ausprobiert. Selbstständig, eigenes Unternehmen, angestellt, Freelancer. Manchmal auch alles zusammen und gleichzeitig. Hatte schon mehr und mal weniger Verantwortung. Manches war Broterwerb und manches reine Lusterfüllung und Freude am Tun. Manchmal auch beides zusammen und gleichzeitig. The Slash Generation heißt es dann wohl oder digitale Boheme, weil das Ausleben der verschiedenen Varianten meiner Selbst meist das Digitale überhaupt erst möglich macht.

Wie sähe es aus, nicht die Erfüllung in der Arbeit zu suchen und zu finden, aber doch in ihr aufzugehen, mich nicht über die eigene Leistung zu definieren, die Grenzen zu kennen und dennoch etwas zu schaffen, einen Beitrag zu leisten, weil es doch gut tut, das Können und alles Hineingeben und etwas bewegen?
Wie das gehen soll, weiß ich auch nicht. Dass es gehen kann, hoffe ich. Wie schwer solche neuen Formen sind, das ahne ich. Weil sie an Grundfesten rütteln. An unserem Verständnis von Führung, von Leistung, von Wert, von Kontrolle, von Macht.
Und doch erfahre ich im Kleinen immer wieder, wie viel doch geht. Selbst wenn das immer wieder neu Aushandeln und Verhandeln, das Fragen und Hinterfragen, wo genau meine Rolle ist, die eigene Bedeutung, das Justieren, die fließenden Grenzen furchtbar anstrengend sind. Es lohnt sich. Einer muss es doch tun.

Drei Filme habe ich in letzter Zeit zu diesem Thema gesehen, die mich nachdenklich gestimmt haben:

Auf Augenhöhe ist ein Film, der neue Formen der Arbeit und der Zusammenarbeit beschreibt. Die kleinen Firmen sind es, die mich bewegen. Weil ich bei den großen oft das Gefühl habe, dass es doch nur um die Leistungssteigerung geht und dafür jetzt ein neues Etikett gefunden wurde. Innovative Formen der Zusammenarbeit als die die neue Nachhaltigkeit. Aber wenn eine Klinikangestellte im herrlichsten Schwäbisch davon berichtet, wie der Umzug in ein anderes Haus ganz ohne Regeln und Plan geklappt hat, einfach weil jeder mit angepackt hat, dann ist das ein wunderschöner Moment. Und ein ebenso trauriger, wenn sich ein Fließbandmitarbeiter freut, dass er begrüßt wurde von der Leitungsebene. Das sei ja nicht selbstverständlich.

+ Frohes Schaffen. Ein Film zur Senkung der Arbeitsmoral. Grandios. Rettet die Arbeitswütigen und führt sie vor. Die Religion der Arbeit, das Glaubenssystem, die Glorifzierung des Beschäftigtseins, die Selbstoptimierungsspirale. Er stellt so vieles, wenn nicht gar alles in Frage. Jeremy Rifkins, der sowieso sehr konsequent denkt, kommt zu Wort. Einer der traurigsten Momente ist ein Real Life-Center, ein simulierter Supermarkt, in dem Langzeitarbeitslose mit Spielgeld 40 Stunden dem Kreislauf angepasst werden. Ganz feste schlucken musste ich.

+ Work hard, play hard ist quasi die Fortsetzung. Denn die Antwort alleine ist nicht nur Freiheit. Oder neue Formen wie Leanmanagement. Da weht so ein kühler Wind durch diesen Film. Es lässt einen zittern vor Kälte. Einmal mehr, weil es sich nicht um Fiktion handelt, keinem Drehbuch gefolgt wird, sondern es sich um eine Dokumentation und damit nur die reine, nackte Realität ausgeleuchtet wird.

Aber aufgeben gilt nicht. Schöne Beispiele, die ich – nicht nur – von der “Work in progress” im Frühjahr in Hamburg mitgenommen habe. Lösungsansätze, die nicht aus der Politik kamen, sondern von Einzelnen, von Querdenkern, Andersmachern, Trotzdemhandlern.

  • Dark Horse, eine Agentur gegründet von 30 Freunden, die immer wieder neu aushandeln was Arbeit für sie ist, ob die 70-Stunden-Woche oder die zwei Monate im Jahr auf Bali, wie sich Zusammenarbeiten organisieren lässt. 
  • Beim Digital Bauhaus im Juli geht es unter anderem viel um Social Entrepreneurship. 
  • Anna von blinkblink, die immer wieder neue Formen ausprobiert des Arbeitens und Zusammenarbeitens.
  • Das Kunstprojekt Schwarzmarkt und Florian Dohmann, der unter anderem dahinter steckt. Der den Wert von Arbeit hinterfragt. 4 Tage die Woche arbeitet und den fünften der Kunst widmet.
  • Thomas Sattelberger, ehemaliger Telekom-Personalvorstand mit guten Thesen über die Herausforderungen, vor denen große Unternehmen stehen.
  • Geesche Jost außerdem, die fragt und sich fragt, wie die Rolle einer Professorin aussieht, wenn doch alles Wissen verfügbar ist im Netz und sowieso schnell veraltet und die neue Formen der universitären Wissensvermittlung schafft. Eine Plattform.
  • Van Bo Le-Mentzel, von dem ich seine Hartz-4-Möbel kannte, auf dessen Vortrag ich gar nicht so Lust hatte und der mich dann so beeindruckt hat durch seine Gedanken, seine unaufgeregte Art, sein Hinterfragen unserer Nachhaltigkeits-Wertschöpfungskettendenke, das Verbinden des asiatischen mit dem westlichen Gedankengut.
  • Und die Klassiker: Superwork und “work is not a job” und “Im Augenblick” – sowieso immer wieder gut.

Keine Ahnung, wie es gehen kann. Noch viel Arbeit.
Aber in diesem Falle gute.
Und vielleicht finden sich ja noch mehr, die daran mitarbeiten.

aufgelistet: Glücksversuche

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stepaniniFee hat mich vor längerem gefragt, was Glück für mich ist. Mein Kopf hat versucht zu antworten. Dabei spielt der in der ganzen Geschichte die kleinste Rolle. Aber so wenig ich das Glück halten kann, so wenig konnte ich es in Worte fassen, geschweige denn die richtigen finden. Das was mich oft umtreibt, dieses Unvermögen mich auszudrücken, eigentlich etwas ganz anderes sagen zu wollen und nicht so wirklich zum Kern vorzudringen – alles dies ist drin im Versuch einer Antwort auf ihre Frage. Aber es ist ein Versuch und ein Versuch ist immer ein Anfang. Ich lerne. Auch das gehört dazu. Entwicklung zuzulassen, die eigenen Schritte wohlwollend stehen zu lassen, gnädig mit mir zu sein und dennoch es versuchen, immer wieder neu. 
Und darüber dann glücklich werden.

Was mir sonst Glücksmomente verschafft hat:

  • Kuttner trifft. In diesem Fall Roger Willemsen, den ich so sehr mag. Und der alleine jede Sendung sehenswert macht. Aber in dieser Kombination, über Verantwortung und das älter werden nochmals mehr.
  • Sesam-Karamell-Kekse – wie gut das klingt. Muss probiert werden.
  • Ein Text über Blogkultur und einer über Literaturblogs. Weil ich diese kleinen Nebenschauplätze so schätze und dankbar bin, dass es sie gibt.
  • Warum ich die re:publica so mag, steht in diesem kurzen euphorischen Post. Genau deshalb. Weil ich nirgendwo so viele unterschiedliche Menschen sehe. In ihrer gesamten wunderschönen Nongenderkonformität. Weil es ein wenig ein Vorschau auf eine Welt ist, wie sie doch auch sein könnte. Und dass es geht, zeigt diese Aktion. Macht mich hoffnungsvoll. Und glücklich.
  • Dieser Film. Die Sehnsucht. Des Suchens, des Aufbrechens, des Mut habens – alles ist da drin. Aufgewühlt habe ich ihn heute gleich nochmals gesehen.
  • Das mit der Authentizität. Komplizierte Sache.
  • So schöne elf Fragen. Und Antworten.
  • Ein Interview, dass mich staunend, dankbar, klein zurücklässt.
  • Ein wunderschönes Lied.

[Bilder von einem glücklichen Sonntagsmoment mit Sophie]

Wissensfrage

23. Mai

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170“Es scheint selbstverständlich – und dennoch muss es unaufhörlich bewusst gemacht werden: Das Wissen, das sich hochqualifizierte Spezialisten auf eng begrenzten Gebieten verschaffen, wird immer ein isoliertes Wissen bleiben und niemals einen Wert an sich verkörpern können, sondern einzig und allein nur insoweit es in einer Synthese mit allem anderen Wissen zur Beantwortung dieser einen Frage beizutragen vermag: “Wer sind wir?”

Erwin Schrödinger. Der mit der Katze.

maßlos gut

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0561In Zeiten des Maßhaltens, der grünen Smoothies und Tofuwürstchen ist es leicht zu vergessen, wer der beste Geschmacksträger ist. Butter nämlich. Butter, Butter, Butter. Oder wie es Wolfram Siebeck als die entscheidende Zutat für Kartoffelpüree beschreibt: Butter bis der Krankenwagen kommt. Für den besten aller Milchreise gilt: Und dann noch ordentlich Sahne hinterherkippen. 
Die Belohnung ist ein sämiger, ganz weicher, sanfter Milchreis.
Vor dem Butterschock bewahren der Krokant und die Orangenhälften.

Michreis mit getränkten Orangen und Kürbiskernkrokant.

* 180 Gramm Milchreis
* 1 Vanilleschote
* 1 Liter Vollmilch
* 100 Gramm Zucker
* 1/2 Liter Sahne
* 150 Gramm Butter

Den Milchreis in einem Topf mit etwas Butter anbraten. Mit der Milch auffüllen und zum Kochen bringen. Das Mark der Vanilleschote herauskratzen und in die Milch-Reis-Mischung geben. Die gesamte Schote auch gleich mitköcheln lassen. Ungefähr 20 Minuten auf dem Herd köcheln lassen. Immer umrühren dabei. Den Zucker zum Schluss hinzugeben.
Gegen Ende die Butter unterrühren und geschlagene Sahne unterheben.

* 150 Gramm Zucker
* 50 Gramm Kürbiskerne

Den Zucker mit 3 Esslöffeln Wasser in einem Topf erhitzen, so lange bis er geschmolzen ist und goldig wird. Das kann dauern. Die Kürbiskerne schnell unterheben und dann die Mischung auf Backpapier verteilen. Das sollte schnell gehen. Trocknen lassen.

* 2 Orangen
* Calvados 
* Vanilleschote

Orangen filetieren und in Calvados, dem ausgekratzen Vanillemark und der Vanilleschote über Nacht ziehen lassen. Als Schicht unter oder zwischen den Milchreis legen. Kürbiskernkrokant obendrauf.
1610907_842221452515697_656976466673381688_n[letztes Photo von Viviana D´Angelo]

Montagsmögen

18. Mai

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Unbenannt-1Jeden Montag: Zwei, heute drei, die ich mag. Französinnen, Frankreich. französische Küche. Elegant und klassisch, aber nie zuviel die Mode. Die Sprache so geschwungen schön. Und die Küche und überhaupt. Alleine der Bilder wegen, blättere ich gerne in diesem Kochbuch. Der Teppich ist zwar aus Dänemark, trotzdem sehr schön und wer wird es denn in Zeiten Europas so genau nehmen? 
Dann wäre da noch ein Lied, das länderübergreifend Anhänger finden wird. Denn “if you gotta go, go now” hat sich wohl jeder Mensch schon einmal gedacht.
Happy monday. 

Berlinesque

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064 067 071 - Kopie 004 - KopieVier Tage in Berlin. Und wieder einmal gemerkt, wie sehr ich sie mag, diese Stadt. Sie ist so anders als München. Sie irritiert. Immer wieder. Sie ist nicht gefällig, regt auf, ist greller und lauter, ein wenig hässlich und dadurch wieder so schön. Sie lässt einen nicht so in Ruhe, sondern wühlt auf und das tut gut zuweilen. 
Wegsehen geht da nicht. Dazu gibt es auch zuviel zu entdecken.

5 x Kopf anregen, bitte

16. Mai

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republicaViel zu wenig Zeit gehabt. Viel zu wenig gesehen. Und doch vieles mitgenommen.
Fünf meiner liebsten, die nachdenklich machen, den Kopf weiten, zum Denken anregen, die Perspektive ändern. Es ist mehr möglich als nur Katzencontent. Wobei der so manche Beinbekleidung zierte.

Gunter Dueck über Schwarmdummheit. Er spricht über verkrustete Strukturen, wie schwer es ist Neues in die Welt zu bringen, die noch im Alten verhaftet ist. Und dies mit einer wunderbaren Einfachheit, die so klug ist und die Gesamtheit noch dummer wirken lässt.

Johannes Kleske über Arbeit. Darüber, wie wir morgen arbeiten werden. Wenn die Computer immer mehr können, wo da noch Platz ist für welche Art von Tätigkeit und was das alles für uns bedeuten könnte. Und das ist genau der Grund, warum ich diese Konferenz so mag. Weil sich einer Gedanken macht, was da passiert und anregt darüber nachzudenken, wie es anders gehen könnte.

Holm Friebe über Nudges. Nudges sind die Dinge, die unbewusst Verhaltensänderungen hervorrufen. Sehr spannend. Auf der Suche nach der App, die mir das Snoozen abgewöhnt, bin ich noch. [Auch gut: Die Steinstrategie vom letzten Jahr gegen blinden Aktionismus].

Stephan Porombka über Goldigkeiten. Wer sich fragt oder gefragt wird, warum er twittert oder auf Instagramm ist oder was auch immer, der findet hier schöne Antworten und Sichtweisen. Mir gefällt sie sehr. Die Haltung des Schenkens. Ein Angebot über das Netz zu machen. Goldigkeiten zu verteilen.

Aral Balkan darüber, warum im Netz nichts kostenlos ist. Sondern man immer zahlt. Nicht immer mit Geld. Aber mit einer Währung,die ebenso viel Wert ist.

Grund genug

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tischundthymianImmer wieder höre ich die Frage, warum ich das mache. So oft, dass ich sie mir dann selbst stelle.
Das Unabsichtsvolle ist auch eine Provokation. Es gilt gesetzt, dass immer etwas herauskommen soll am Ende. Ich nehme mich da nicht aus. Bin es gewohnt ein Ziel zu haben. Aber manchmal werden daraus dann “um zus”. Und das ist gefährlich.
Studieren, um den Abschluss zu erhalten, den Film sehen, um mitreden zu können, den und den treffen, um von seinen Kontakten zu profitieren.
Dann mache ich mir selbst Vorwürfe oder habe ein schlechtes Gewissen, wenn ich statt ein Buch zu lesen oder etwas Gehaltvolles zu tun, nur auf dem Sofa liege, Serien schaue oder Instagram-Feeds rauf- und runterscrolle oder aus dem Fenster träume. Dieses Mantra, die Zeit zu nutzen und das Maximum herauszuholen ist so tief verankert. Ich könnte auch etwas Produktives machen. Könnte ich. Mache ich aber nicht. Weil es kein Ziel gibt am Ende, sondern viele kleine Schritte dahin und ein paar Umwege, Seitenstraßen und abgelegene Pfade.
Wenn ich etwas sehr unbedingt wollte und verkrampft wurde, dann ist meist nichts daraus geworden. Wenn ich mich habe treiben lassen und meiner Intuition gefolgt bin, dann fügte sich oft vieles zusammen.

Weniger “um zu” und mehr “einfach so”.
Warum ich das mache? Keine Ahnung. Weil es Spaß macht. Einfach so.

[was ich gelernt habe und einen Satz, den ich immer noch so sehr mag, weil er auf das Warum auch ein adäquate Antwort wäre]

Montagsmögen

11. Mai

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montagsmoegenJeden Montag: Zwei, die ich mag. Dieses Zitat von Hemingway. Wobei ich zwischen dem Mögen dieses Satzes und dem danach Leben einen Unterschied mache. Letzteres fällt mir schwer. Ob schreibend oder sprechend, welche Ausdrucksform und welchen Weg, es am Ende nimmt – das ist nebensächlich. Das Hinsehen, dass dem vorangeht, ist das Wichtige. Ich mag es nicht immer. Schaue manchmal bewusst weg, winde mich oder vermeide. Betäuben könnte man auch sagen, wenn ich ehrlich wäre. Aber es ist der Weg und alleine das zählt.
Und wer genau hinsieht, der darf auch angetan von ganz irdischen Dingen. Dieser grauen Wildlederhandtasche beispielsweise. Bei der fällt das Wegsehen schwer. Die mag ich auch.
Ebenso wie ein Lied und noch eines, beide so schön ist, dass es weh tut.

Rhabarberpalaver

6. Mai

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RhabarberNicht so viel reden, lieber machen. Weniger Pläne schmieden, Listen schreiben und darüber sinnieren, was man alles tun könnte und stattdessen einfach loslegen. Ausprobieren. Sich ins Zeug legen. Es anpacken.
Mit Rhabarber kann man mal anfangen.
So ein Kuchen ist übersichtlicher und eingrenzbarer als die nächste Lebensplanung.
Also ab heute kein Palaver mehr. Höchstens Rhabarberpalaver.
Mit Vanillequark hatte ich schon. Mit Bourbon auch. Aber eine Frangipane mit Rhabarber gab es noch nicht. Dabei mag ich sie so. Normalerweise mit Birne, frisch aus dem Ofen noch ein wenig warm und einer Kugel Vanilleeis. Aber mit dem Rhabarber versteht sie sich auch prächtig.

Frangipane Rhabarber Tarte
[inspiriert und adaptiert von hier]

  • 210 Gramm Mehl
  • 1 Esslöffeel Zucker
  • 1/2 Teelöffel Salz
  • 75 Milliliter eiskaltes Wasser
  • 100 Gramm Butter
  • 60 Gramm Kokosnussöl

Mandelcreme:

  • 65 Gramm weiche Butter
  • 65 Gramm  Zucker
  • 1 großes Ei
  • 100 Gramm gemahlene Mandeln
  • 3 Esslöffel Sahne
  • 1 Teelöffel Mehl

Mehl, Zucker, Salz verrühren. Die kalte Butter in kleine Stücke schneiden und mit den Händen einkneten. Das Kokosbutter ebenso. Das kalte Eiswürfelwasser dazugeben und weiterkneten bis der Teig glatt ist. Einzelne Butterflocken werden immer bestehen bleiben. Aber das ist gut so. In Frischhaltefolie packen und für zwei Stunden in den Kühlschrank.
Dann den Teig dünn ausrollen. Am besten zwischen der Frischhaltefolie, dann klebt es nicht. So dünn wie möglich. In eine gebutterte Tarteform legen, einen Rand hochziehen.
Für die Mandelcreme die Butter und den Zucker schaumig schlagen. Das Ei hinzugeben, dann die gemahlenen Mandeln und die Sahne. Zum Schluss das Mehl.

Die Creme auf den Teigboden geben. Die Creme darauf verteilen. Den Rhabarber schälen, in Streifen schneiden und auf die Creme  legen. Dann bei 200 Grad backen für eine halbe Stunde. Mehr oder weniger.

Und wenn man schon dabei ist, dann kann man gleich weitermachen.

Rhabarberkuchen mit Cashewcreme und Amaretto
[hier gesehen]

  • 1 Tasse Kokosnussöl
  •  3/4 Tasse Zucker
  • 4-5 Rhabarerstangen
  • 1 1/4 Mehl
  • 3/4 Tasse gemahlene Mandeln
  •  1 Teelöffel Backpulver
  • 3/4 Teelöffel Salz
  • 1 Stange Vanille
  • 2 Eier
  • 1/4 Tasse Cashewnüsse

Cashew-Amaretto-Creme

  • 1 Tasse Cashewsnüsse
  • 3 Teelöffel Amaretto
  • 1/2 Zitrone
  • 1 Teelöffel Honig

Die Cashewnüsse für 3 Stunden in einer Schüssel mit Wasser einweichen. Den Rhabarber schälen. 2/3 in kleine Stücke schneiden, den Rest in Streifen.
Mehl, Mandeln, Salz und Backpulver vermischen. Das Kokosnussöl mit dem Zucker schaumig schlagen. Die Eier hinzugeben. Eines nach dem anderen. Die Mehlmischung unterrühren, die Vanille unterrühren. Zum Schluss eine viertel Tasse der eingeweichten Cashews mit einem Pürierstab zu Mus verarbeiten und unterheben. Den Teig in eine gefette Form geben. Zum Schluss die Rhabarberstücke unterheben und die Rhaberstreifen auf den Teig legen. Bei 175 Grad für 50 Minuten backen.
Die restlichen Cashews zu einem Mus pürieren. Amaretto, abgeriebene Zitronenschale und Honig dazugeben. Wie Sahne auf den noch warmen Kuchen geben.

Es mit dem Machen und Tun dann auch mal sein lassen.
Und Kuchen essen. Sonst nichts.

Rhabarber - Kopie

verpasst, aus und vorbei

5. Mai

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252“Das Ich ist dann von der Vorstellung beherrscht, dass die versäumte Gelegenheit nicht irgendeine war, vielmehr die entscheidende, die man im Leben hatte. […]

Jede lebenspraktisch bedeutsame Entscheidung ist ein Wagnis, das, wiederum mit Kierkegaard, nach vorne gelebt und nach hinten verstanden wird. Womöglich liegt hier der eigentliche Grund für ein verfehltes Leben: dass das Ich das Risiko der Entscheidung, hier Ja und dort Nein zu sagen, umgehen will. Obwohl Zögern und Zaudern klug und menschlich sein können, ist die Angst der Unentschlossenen, […] das Hinauszögern sei der Ersatz für Unsterblichkeit, womöglich die Angst unserer Zeit. Sie definiert ein Leben im Wartezimmer, das auf die Anzeigetafel für den entscheidenden Aufruf blickt.”

aus: Gesellschaft der Angst von Heinz Bude