Neueste Artikel

The answer is love

Arno Gruen beginnt eines seiner Bücher mit dem unglaublichen Satz: „Die menschliche Entwicklung bietet zwei Möglichkeiten, die der Liebe und die der Macht.“ Eigentlich müsste man nicht mehr weiterlesen. Alles Wesentliche bis zum Rest des Lebens ist gesagt.

Ich habe die ganze Woche über ein Lied gehört. Entdeckt habe ich es bei Juli. Entstanden ist es, weil die Sängerin lange auf ein vier-jähriges Mädchen aufgepasst hat und sie sich irgendwann, als sie weniger Zeit füreinander hatten, anfingen sich Videobotschaften zu schicken. Während sie mitten im Songschreiben steckte und nicht weiterkam, kam eine Nachricht von ihr. Das kleine Mädchen sitzt am Tisch, isst Maultaschen, erzählt, dass sie heute ganz viel mit Playmobil gespielt hat und dann diese tollen Sätze zum Abschied: „Ich hab´Dich so lieb. Und ich tunk Dich so tief in meine Liebe, bis zum Boden und Du bleibst drin stecken. Und Du wirst Dich ganz gut fühlen.“ Und damit war das Lied da.

Nicht nur die Worte. Die Unschuld, das so gar nicht Berechnende, das fehlende Machtkalkül, weil der Gedanke gleich einzukalkulieren, was es zurückbekommt, wenn es etwas gibt, noch ganz fern ist.

Das hat mich die ganze Woche begleitet und ich hoffe, es trägt darüber hinaus.
Einfache Anweisung: Egal was oder wer mir, wie ich mir selbst begegne: Einfach eintunken bis zum Boden. Statt zurückzuhauen, einfach nachtunken. Drin steckenbleiben.
Ab ins Bodenlose.

Nehmen Sie bitte Platz

„The place in which I will fit will not exist until I make it.“
Hat James Baldwin schon vor langem gesagt. Ich es erst vor kurzem entdeckt.
Und es macht einen Unterschied. Nicht länger zu suchen, sondern selbst zu erschaffen.

Keine Angst

Das Fürchten verlernen . Dazu muss man sich erst einmal eingestehen, dass da welche ist. Furcht nämlich. Die enorme Kraft, die aufgewendet wird, sie nicht zu sehr zu spüren und vor ihr davon zu laufen, lässt einen an manchen Tagen fast vergessen, dass sie existiert.

Es gelingt umso schlechter nach der Lektüre dieses Buches. Das ist gut so.

7 Mutproben, die alles verändern, heißt der Untertitel. Sieben Kapitel. Die lauten „Nicht mehr liebenswert sein. Und nicht mehr lieben“ oder „Den Dämon kennenlernen“ oder „einen Elternteil verlieren.“

Wie kann ein Mensch so etwas schreiben, habe ich mich gefragt. Wie so genau hinsehen, wo wegsehen doch antrainiert, bequemer und angenehmer ist? Ich sehe das an mir selbst. Wie naheliegend ein neues Kleid, das immer auch ein Versprechen ist, zu kaufen statt zu betrachten, wer ich gerne darin wäre und was ich mir von der Person erhoffe, die ich in eine neue Verpackung stecke. Wie viel einfacher ist es mich mit Eis zu belohnen oder mit zuviel Pasta, mit irgendetwas das Geborgenheit gibt, wenn auch nur kurz, statt auszuhalten, was da an Leere ist. Dieses Rennen danach, genug zu sein. Dass einer sagt, es ist gut. Du bist gut. Der Wunsch, Kontrolle zu haben. Über sich, andere, irgendetwas.

An einer Stelle schreibt sie: „Hätte ich damals mit jemandem über alle diese Dinge gesprochen, hätte ich mich aus meinem kleinen Haus aus Toughness und Selbstmitleid hinausgewagt, hätte ich gemerkt, dass ich mit diesem Gefühl nicht alleine dastand.“

Genau das gibt einem dieses Buch: Das Gefühl, nicht alleine dazustehen. Mit all dem, was da ist. Nicht die eine Angst, sondern die vielen diffusen, sich oftmals widersprechenden, die morgens, die abends, die immer wieder aufkommen, dazwischenfunken. „Angst, nicht den richtigen Studienplatz zu bekommen; Angst, im Studium zu versagen; Angst, nicht gut genug abzuschließen; Angst, nicht den richtigen Partner zu finden; Angst, den richtigen Partner nicht halten zu können; Angst, den falschen Partner zu halten, während der richtige sich irgendwo da draußen versteckt hält und wartet; Angst, zu wenig Spaß zu haben; Angst, zu viel Spaß und zu wenig Ehrgeiz zu haben; Angst, es einfach nicht hinzukriegen; Angst, nach dem Abschluss keinen Job zu finden und wenn ja, dann nur einen x-beliebigen Blödsinnsjob mit schlechtem Gehalt und zwei-Jahres-Vertrag; Angst davor, dass die billige Waschmaschine aus Korea ausläuft und die italienische Spülmaschine nicht richtig saubermacht; Angst davor, dass besagter x-beliebiger Blödsinnsjob nicht genug bezahlt, um eine Familie zu gründen; Angst davor, aus dem x-beliebigen Blödsinnsjob gefeuert zu werden und einen noch beliebigeren  Blödsinnsjob annehmen zu müssen.“

Die Mutter von Miriam Stein litt unter Angstneurosen und Panikattacken. Wenn die Angst in der Kindheit schon so präsent ist, dann schafft man es wahrscheinlich umso schwerer an der Phase des Leugnens, die dem sich stellen vorausgeht, festzuhalten. Dann gelingt es einem ein solches Buch zu schreiben.

Es ist ein Buch, das mich sensibler gemacht hat. Meine Ängste haben andere Ausdrucksformen gewählt, aber der Kern ist derselbe. Es ist ein Buch, dass mich noch aufmerksamer hat werden lassen für die Ablenkungsmechanismen, die ich entwickelt habe, für meine kleine Ausflüchte, meine lächerlichen Fluchtversuche. Es hat mir geholfen, gnädiger auf mich selbst zu sehen. Und manchmal überhaupt hinzusehen.

Es macht sehr Lust auf das Leben. Das mag widersprüchlich klingen, ist es aber nicht.
Warum, versteht man, wenn man den ersten Satz liest, mit dem das Buch beginnt. Er ist von Dr. Raphael Rose und lautet: „Der einzige Weg, keine Angst zu haben, ist zu sterben.“

Spielarten der Wortführung

„Wie war das Gespräch?“, frage ich. „Die haben da halt so ihren Brainfuck gemacht“,sagt sie. Ich weiß genau, was sie meint. Ich habe jetzt ein Wort, wo vorher eine Lücke war. In der Sprache, nicht im Gefühl.

Wir begreifen etwas, wenn wir es benennen können.

Brainfuck. Ich wüsste keine besseres Wort für die Art der Gespräche, die bei mir immer ein ungutes Gefühl hinterlassen. Die, denen die Seele fehlt. Die, in denen einer den anderen mit Argumenten zu übertrumpfen versucht. Die, in denen es nicht ums Verstehen, sondern ums Überzeugen geht. Der Schlagabtausch, in dem das Ziel das Niederringen ist, statt die reine Freude am Auseinandersetzen. In denen das eigene Positionieren im Vordergrund steht. Die übergriffige Art mit Worten Grenzen abzustecken, in fremdes Gebiet vorzudringen. Den anderen an die Wand reden. Ich merke dann, dass ich gar nicht Gesprächspartner bin, sondern nur eine Vorlage, an der der andere sich abarbeiten kann, seine Überlegenheit demonstrieren.

Wie schade, weil es so weit weg ist von dem was ein Gespräch auch sein kann. So leer gegen das, was ein Spiel von Geben und Nehmen ist. Etwas das selbst dann fließend ist, auch wenn es stockt. Gegen das, in das man sich rein geben und rein schmeißen muss und sich berühren und anrühren lassen kann. Und dann nochmals ein Glas Wein nachschenkt.

Das hat nichts mit den Worten zu tun, die man verwendet. Ich bin vor Jahren zufällig auf einem Battlerap gelandet. Eine ganz andere Welt. Die Worte sind unter der Gürtellinie. Sehr. Aber wie dieser Wortkampf ausgetragen wird, war für mich große Sprachkunst. In einem Alter, in dem die meisten vor lauter Testosteron mit Fäusten übereinander herfallen würden, tragen sie es mit Worten aus. Es reicht nicht auf vorgefertigte Texte zurückzugreifen. Vorne liegt und gewinnen kann der, der auf das was der andere erwidert, eingeht und richtig kontert.

Wir müssen reden.
Kein Fuck, echte Liebe.

aufgelistet: Leichtes, Schweres und irgendwas mittendrin

Leicht gerade so vieles. Nicht jeden Tag, aber an vielen. Nicht, dass es immer gut liefe, aber es zu nehmen, wie es kommt gelingt besser. Empfänglich für so vieles, eine dünne Haut, die vieles durchlässt, aber nicht alles. Ich weiß, dass dieses Balance nicht für immer bleibt, aber so lange sie da ist, genieße ich sie. Und bei all dem und mittendrin: Es hat sich einiges angesammelt.

  • Schlafen. Ich schlafe gern. So gern. Das Bett ist ein feiner Ort. Geschützt vor dem Rest der Welt. Was es mit dem Gehirn macht.
  • Dieser kleine Film. 7 Minuten. Nach denen man die 24 Stunden, die man jeden Tag zur Verfügung hat vielleicht anders sieht.
  • Wie das mit der Liebe so geht. Immer gut zu lesen.
  • Diese Fotoserie über ein Ehepaar, das gleichzeitig an Krebs erkrankte. Setzt so viele meiner Alltagsgedanken wieder in Relation.
  • Erich Fromm über den unglücklichen Menschen. Ich werde nie müde ihm zuzuhören. Zeitlos. Aktueller denn je.
  • Wiederentdeckt: Nina Simone und You von Nils Farm und überhaupt gerade wieder so vieles. Töne, die tiefer gehen.
  • Warum Zeit alleine für sich so wichtig ist
  • Ich glaube, ich mag Dich: Ein kleiner Film. Sehr zart, sehr schön.
  • Warum Zeit verschwenden und Langeweile zuzulassen unerlässlich ist. Setzte ich mir mit auf die to-do-Liste.
  • Peter Stamm ist einer meiner liebsten Autoren. Schon lange. Nachdem ich dieses Interview mit ihm gelesen habe noch mehr. Er findet die passenden Worte für das, was unter der Oberfläche schwelt, darüber wie wichtig es ist, die große Form im Auge zu behalten. Auf dass ich nicht das „Glück des Butterbrotstreichens“ vergesse oder sein 3-Satz-Beziehungsratgeber.
  • Foodporn und was er mit uns und unserem Essverhalten macht
  • Dieses Bild von ihr zu Beginn des Artikels. Zum Verlieben. Und die Lebenszufriedenheit, die in diesen Sätzen steckt: „Ich könnte jetzt sagen, ich will 96 werden, aber ich will nicht gierig sein. 95 wäre genug.“

 

Montagsdienstagsmögen

Jeden Montag und manchmal auch erst dienstags, wenn die Montage frei und voll und schön waren: Zwei, die ich mag.
Es nehmen wie es kommt. Mag ich, werde ich immer besser drin.
Ich mag diesen Zirkusblazer, mit dem man bestimmt allem sehr gelassen entgegengehen kann.
Ich mag dieses Lied, sehr viele Textstellen darin und besonders diese zwei Zeilen: „Lass Dir vom Rausch die Sinne betören und vom Kater danach das Leben erklären“.

Kommt gut in die Woche, was auch immer sie bringt, berauscht, gelassen.

Glück gehabt

„Wie schreibt man über das Glück? Was soll ich über das Glück schreiben, wenn es so einfach und so alltäglich ist, so still und durchsichtig wie: sie lag auf dem Sofa und ich sah sie fast nicht, weil ich mich so daran gewöhnt hatte, dass sie auf dem Sofa lag und sich ausruhte.“

aus: Wider die Natur von Tomas Espedal

für-alle-Fälle-Wünsche

Mal kalt, dann wieder warm, zwischendrin Schnee und auf einmal wieder doch T-Shirt-Wetter.  Nicht, dass ich selbst immer genau wüsste, wonach mir ist, aber während sich Wolken, Sonne und Regen abwechselten, habe ich gesurft und zusammengetragen, was mein Leben schöner machen könnte. Für alle Fälle.

  • Streifenshirt {1} oder mit Spitze. Zeitlos. #teamstripes sorgt zuverlässig für mehr Instagram-Follower.
  • Hängende Blumen {2} finde ich gerade so schön. #urbanjungle. Egal, so schön.
  • Schlieren- oder Kleckseteller {3}. Nie verkehrt.
  • Streifenkleid {4} Siehe oben.
  • Neue Gummistiefel {5}. Meine verloren. Was ich zum Anlass nehme, statt schwarzen dieses Mal blaugraue zu wählen.
  • Easy peasy und soll sehr lecker sein. {5} Nur Gutes gehört von diesem Buch.
  • Teppich für draussen {6}. Auf die Idee muss man erst einmal kommen. Aber seit ich Outdoor-Teppiche entdeckt habe (und dass Hängematten auch auf kleine Stadtbalkone passen) habe ich ein neues Lieblingszimmer. Freiluft.
  • Streifenrock {7} Siehe Punkt 1 und Punkt 4.
  • Sneaker {8} Ja, in rosa. Weiß kann jeder. #teampink
  • Jeansjacke {9} Muss sein. Und meine letzte ist irgendwo abhanden gekommen.
  • Sandalen {10}. Schuhe haben eine magische Wirkung. Ich bin überzeugt davon, dass es einen Unterschied macht mit was an den Füßen man durch diese Welt flaniert. Und wenn diese keine sofortig gute Laune machen, weiß ich auch nicht.

Montagsmögen

Jeden Montag: Zwei, die ich mag. Das Gefühl es raus zu haben. Oh, wie gut sich das anfühlt. Mag ich.
Ich mag eine Schaukel im Wohnzimmer. Mich in Höhen erheben oder wenigstens ein wenig hin- und herwiegen, wenn ich von diesem Gefühl es verstanden zu haben, wieder einmal sehr weit entfernt sein sollte. Was wäre das toll. {Mir fällt übrigens gerade diese Installation ein und wie gerne ich sie live gesehen hätte}.
Ich mag dieses Lied. Was eine Stimme. „Won´t you just hold me, like when we were 16?“ singt er. Ein verdammt gutes Gefühl, auch wenn man bereits volljährig ist.

Kommt leicht, beschwingt und gut in die Woche.

Rosmarin- und Thymianmandelbrot

Was übrig bleibt, muss nicht schlecht sein. Auf meinem kleinen Balkon haben Thymian- und Rosmarinreste das geschafft, was ich nicht vermutet hätte: Sie haben nicht nur den gesamten Winter, sondern auch jüngste Kälteeinbrüche überlebt. Ich verneige mich vollster Hochachtung vor diesem Wunder der Natur.

Nur den Sommer wird ein Teil nicht mehr sehen. Denn sie wurden sie zu Brot verarbeitet. Brot oder Kuchen, das kann man so genau nicht sagen. Genauso wenig wie welche Kräuter dann schließlich und endlich doch drin gelandet sind.

Rosmarin-Thymian-Mandelbrot
{von hier kopiert}

  • 4 Eier
  • 2 1/2 Teelöffel Kokosöl
  • 1 Teelöffel Apfelessig
  • 1 1/2 Teelöffel Honig
  • 2 1/4 Tassen gemahlene Mandeln
  • 1/4 Tasse geschrotene Leinsamen
  • 1/2 Teelöffel Meersalz
  • 1 Teelöffel Backpulver
  • Thymian, Rosmarin und alles, was der Garten so übriggelassen hat

Den Ofen auf 170 Grad vorheizen und eine Backform fetten.
Die Eier verschlagen, Apfelessig und Honig unterrühren. Das Mandelmehl, die Leinsamen, Salz, Backpulver untermischen. In die Form geben und die Kräuter draufstreuen. Für etwas mehr als 20 Minuten im Ofen backen.

Das Brot schmeckt am ersten Tag am besten. Leicht getoastet mit Honig.
Wenn nichts anderes übrig bleibt, ist das ganz schön gut.