schoene_italienerin - Kopie„Im späteren Leben erwartet man doch ein wenig Ruhe, nicht wahr? Man meint sie verdient zu haben. Jedenfalls war das bei mir so. Aber dann begreift man allmählich, dass das Leben sich nicht bemüßigt fühlt, Verdienste zu belohnen.

Außerdem meint man in jungen Jahren vorhersehen zu können, was im Alter wahrscheinlich an Schmerzen und Trübsal mit sich bringen wird. Man stellt sich vor, dass man einsam, geschieden, verwitwet ist; dass die Kinder einem entwachsen, Freunde sterben. Man stellt sich den Statusverlust vor, den Verlust des Begehrens – und den Verlust des Status eines begehrenswerten Menschen. 

Dabei richtet man nie den Blick nach vorn und stellt sich dann vor, wie man vor der Warte der Zukunft aus zurückschaut, die neuen Gefühle erlernt, die die Zeit mit sich bringt. Zum Beispiel die Erkenntnis, dass es, weil es immer weniger Bestätigung und folglich weniger Gewissheit darüber gibt, was man ist oder geworden ist. „

aus: Vom Ende einer Geschichte von Julian Barnes

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