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denken

auf der Suche

"Jenseits von richtig und falsch liegt ein Ort. Dort treffen wir uns. Da gibt es kein "entweder - oder" mehr. Da richte ich nicht mehr und es wird nicht über mich gerichtet. Da wird nicht mehr moralisch abgewertet. Dort treffen sich Menschen und schauen, was in ihnen lebendig ist. Jetzt in diesem Moment. Dort treffen sich Menschen, die einander achten und wertschätzen und sich wechselseitig zum Leben helfen. Jenseits von richtig und falsch liegt ein Ort. Dort treffen wir uns." Schrieb Rumi in seinen mystischen Texten im 13. Jahrhundert. Ganz lange habe ich nach diesen Textzeilen gesucht, von denen ich wusste, dass ich sie schon einmal irgendwo gelesen hatte.…

Klartext

Ja, das gelingt manchmal. "Offenherzig reden, ohne Rücksicht auf das Alter oder was auch immer, über die persönlichsten Dinge, wissen, dass man verstanden wird, und wissen, dass die wirklich wichtigen Fragen ganz nahe sind." Julien Green, in einem Interview mit Iris Radisch. Gefunden im Buch "Die letzten Dinge: Lebensendgespräche"…

Auf ein Neues

Als ich über dieses Jahr nachgedacht habe, darüber was passiert ist und was nicht, da fiel mir diese Geschichte wieder ein. Ein Abend in Berlin. Zusammen gekocht, mit der Familie gegessen und anschließend ein wenig durch den Friedrichshainer Kiez geschlendert. Ein warmer Spätherbstabend. Gespräche über das, was uns Angst macht, was wir tun könnten, Pläne schmieden. Irgendwo in einer Straßenabzweigung scheint in einem Laden noch Licht. Der Besitzer mit einem Glas Wein in der Hand winkt uns herein. Ich stehe in einem verwinkelten Antiquariat voller Bücher. Alle Bände von Adorno, vollständig, in der richtigen Reihenfolge. Alle Werke von Foucault aufgereiht.…

[Nr. 20 von 1/2]: Mut

Es scheint alles so unpassend. Bis vielleicht auf das, was ich gestern las beim Aufräumen und Sortieren, kurz bevor die ersten Anfragen kamen, ob es mir gut geht, ob ich schon in Berlin sei oder in München. "Es kommt einzig auf den Mut an. Er geht auch den Tapfersten oft verloren, dann neigen wir zum Suchen nach Programmen, nach Sicherheiten und Garantien. Der Mut bedarf der Vernunft, aber er ist nicht ihr Kind, er kommt aus tieferen Schichten." Schreibt Hermann Hesse.…

[Nr. 15 von 1/2]: man selbst sein

"Ich glaube an so etwas wie ein echtes Selbst, und ich weiß wie selten es ist, so ein Selbst sprechen zu hören, zu sehen, wie es sich aus dem Kokon der Falschheit und des Nichtssagenden herausschält, aus den Scheingestalten, die wir anderen präsentieren, um ihnen zu gefallen, sie irrezuführen. Je gefährlicher das echte Selbst, desto raffinierter die Masken. Je ätzender das Gift, das wir am liebsten über andere ausspeien würden - um sie zu lähmen, zu töten -, desto größer der Nektar, mit dem wir sie locken, zu uns zu kommen, in unserer Nähe zu sein, uns zu lieben." Aus…

Verlauf im Rückspiegel

"Die zentrale Frage war: Bist du weitergekommen? Was war gut daran, was schlecht, wo warst du gelangweilt? Wie eitel warst du? Das sind die Kurven, in denen alles verläuft."  Du wirst gespiegelt in dem, was du bist." Grönemeyer. In einem Interview. Für mich gelernt: Unterschätze Popstars nicht.…

schmerzvoll

Ein Text. Ein großer. Gelesen am Morgen, als ich noch nicht bereit war für den Alltag und bis zum Abend ließ er mich nicht los. Wir können entscheiden, ob wir uns von etwas berühren lassen oder Dinge und Menschen nicht an uns heranlassen. Ich weiß nicht, doch ich weiß, was mehr weh tut.…

Richtungsverändernde Begegnungen

  Ein Sonntagnachmittag. Zur Pinakothek spazieren und dazwischen länger als nötig im Tambosi verweilen, bei noch warmes Croissant und frisch gepressten Orangensaft die Dame beobachten, die älter scheint als sie ist und ein wenig zu früh an ihrer Weinschorle nippt. Über Bilder sprechen. Wie sie den eigenen Blick auf die Welt zeigen, wie man sich selbst zeigt in Bildern, weil immer etwas von einem selbst durch sie hindurchscheint. Und auf einmal habe ich wieder Lust und Mut durch den sanften Anstoß. Greife zur Kamera, die ich so viele Monate vernachlässigt habe, weil der Zugang fehlte und drücke den Auslöser. Danke Annett.…

Bildungsauftrag erfüllt

In einem Buch von Franziska zu Reventlow, die herrlichste Einleitung gelesen, die je über eine Autorin geschrieben wurde: "Der Versuch der Eltern, ihre Tochter in ein vorgegebenes Erziehungsschema zu zwingen, mißlingt." Alles richtig gemacht.…

Lektion eines Popstars

"Denn die Sachen, die man sich am Anfang der Karriere vorstellt, Geld, Ruhm, alle finden einen toll, die sind es nicht. Erst wenn du anfängst, dich in dem, was du erschaffst, zu erkennen. Dass du genau das sagst, was du sagen willst und ganz bei dir bist, das macht dich glücklich." Marius Müller Westenhagen im Spiegel-Interview…

Randnotiz: Genehmigung erforderlich

"Wer gibt mir eigentlich das Recht, das zu tun?" Mein liebster Freudscher Verdenker diese Woche. Einfach so mich dabei ertappt, wie ich mir selbst am meisten im Wege stehe. Unerhört eigentlich.…

Kleine Ahnung

Ein kleines Video von nicht einmal drei Minuten. Wolf Wondratschek, den ich bewundere, der mich immer wieder anrührt. Ich habe mich oft seiner Worte bedient, wenn meine eigenen nicht ausreichten. "Geh nicht weg wie jemand, der nicht wiederkommt. Komm nicht zurück wie jemand, der bleibt" hat er geschrieben und als einer mich fragte, wie viel Nähe mir den genehm sei, war das die Antwort. "Nicht ein Augenzwinkern verrät, dass sie gern leben", schreibt er in seiner »Kleinen Rede an die Herren in den Flugzeugen" und das war der Satz, den ich zitierte, als ich erklären sollte, warum es nicht mehr ging. Eine Ahnung von ihm und seiner Arbeit gibt…