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La vie. C´est ca.

I ch habe es hier schon gesagt, aber es bedarf einer Wiederholung: Au revoir Nizza. Du hast mein Haar blonder, meine Beine brauner, meinen Kopf voller und mein Herz leichter gemacht. Es war sicherlich nicht das Vernünftigste, was ich zum jetzigen Zeitpunkt in meinem Leben tun konnte. Aber ich halte es da mit Joanna: „Wer will schon auf seinem Grabstein „Sie hatte ein vernünftiges Leben gelebt, und alles so gemacht, wie man es sollte“ stehen haben?“ Au revoir Nizza. Salut München.

Ich packe, packe ich, es packt mich. Ein Verb neu konjugiert.

G epackt. Oder besser gesagt alles Nötige in der Reisetasche verstaut. Gepackt klingt so nach bereit, fertig, vorbereitet. Das bin ich nicht. 3 Wochen Sommeruniversität in Nizza. Nervös, gespannt, aufgeregt wie immer, wenn ich mir mal etwas überlegt hatte, um dann wenn ich kurz davor stehe, denke, dass das vielleicht doch keine so gute Idee war, aber ein Zurück sehr unelegant wäre und ich aus dieser Nummer wohl nicht herauskomme. Dass sind die 3-Meter-Brett-Momente des Lebens. Und von denen habe ich so einige.  Ich bin ein großer Angsthase. Ein sehr großer. Aber ich habe mir vorgenommen, dass ich immer wieder die Stufen zum Sprungturm hochgehen will. Immer wieder Anlauf nehmen. Und springen. Weil die andere Angst noch größer ist. Die Angst vor der Unfreiheit, die die Angst mit sich bringt: I fear the fear of letting fear hinder me to do things. Kein Garant dafür, dass es nicht doch weh tut, höllisch schief geht, blamabel ist, eine Voll-Katastrophe. Aber das ist egal. Die Malerin Georgia O´Keeffe, die den Blumenbildern das Kitschige nahm, hat es schön ausgedrückt: “I’ve been absolutely terrified …

Ticket nach irgendwo

„Ich habe nichts gegen das Reisen, im Gegenteil: Ein junger Mensch soll sich umsehen in der Welt, damit er seinen Platz findet…. Das Reisen an sich darf nie aufhören, sonst fällt der Mensch in den Stillstand, das Ziel seiner Reisen aber muss sich ändern. Irgendwann ist das Glück nicht mehr draußen in der Welt zu finden, sondern drin im Menschen – dann muss er erkennen, dass das Weglaufen nichts bringt. Er muss in sein Herz schauen und in sich selbst einen Kontinent aufbauen.“ aus: Die Sache mit dem Ich von Marc Fischer. Sätze aus der letzten Geschichte, aus der letzten Reportage und zwar der, die mir am liebsten war. Die Gefahr ins Esoterische abzurutschen oder in die Welt der Kalendersprüche ist groß, aber soweit kommt es nie. Es ist die letzte im Buch und weil es auch einen Schlussstrich setzt, vielleicht deshalb hallt sie so lange nach. Und weil es mich umtreibt. Das Reisen, dass immer ein Aufbruch ist und Neuanfang und manchmal auch Flucht, das Wegfahren müssen, um Anzukommen, das schon da sein oder noch nicht ganz …

50 shades of Grün

Wie viel Grün verträgt das Auge? Die Farbe, die das Auge beruhigt, die Kräfte sammelt und Regeneration bringen soll. Sie soll das Auge nicht anstrengen, sondern stärken, weil es sich ausruhen kann. Urlaub in Irland. Das ist mehr Grün und so viel Grün und immer anderes Grün, dass nicht nur die Augen sondern auch der Rest des Menschen zur Ruhe kommt. Eine Landschaft, die an die sattgrünen, mit Kunstgras überzogenen Berge von Spielzeugeisenbahnlandschaften erinnert. Das tiefgrüne, dunkle Moos und schillernde Farbenspiele. Das sind Felslandschaften und dazwischen das hellgrüne Gras. Gras, Gras und noch mehr Gras und nur die Schafe die dort grasen, weil das Land sonst nicht mehr hergibt. Das sind die Eichenwälder. Mächtige Bäume und dann wieder Farne. So viel Grün in allen Nuancen. Und wahrscheinlich hat sie abgefärbt, diese freundliche Farbe auf die Menschen. Wie freundlich und fröhlich sie sind. Wie vieles immer „lovely“ ist. Und ja, das ist es und ich kann mich daran nicht satthören. Alles ist lovely und das Wetter gleich heavenly und die Iren so zugewandt und gastfreundlich. Vielleicht weil …

Ich kann das alleine

Eine Woche alleine sein. Nicht immer ganz alleine, aber die meiste Zeit. Das ist anfangs ungewohnt und ich werde immer ein wenig schräg beäugt dafür. Ob es denn an Freunden mangelt, das hängt ein wenig latent in der Luft. Nein, tut es nicht. Aber ich mag das alleine sein und das alleine reisen. Es ist eine selbst gewählte Einsamkeit und deshalb fühlt sie sich auch nicht einsam an. Es ist anstrengender, weil niemand zum anlehnen da ist, niemand, der einem alles abnimmt. Der andere ist oft doch auch eine Krücke und das Zusammenleben so in Fleisch und Blut übergegangen, dass das Zimmer und Haus für mich alleine zu haben, fast unverschämt wirkt. So viel Platz nicht gewohnt, so auf Rücksichtnahme trainiert, dass es sich die ersten Stunde anfühlt, wie ein zu großes Kleid. Es passt nicht und schlackert und nichts geht leicht von der Hand. Zurückgeworfen auf mich selbst bin ich dann und das ist ungewohnt und umständlich und nicht immer einfach anfangs, aber gut. Und ich mag es, dass ich mich nur um mich …

Papierparadies

Vom neuen Typehype in Berlin habe ich schon viel gehört und für alle, die den Weg dorthin finden, sollten die Straße noch ein Stück weiter herunter Richtung Volkstheater gehen. Dort gibt es den kleinen, feinen Laden Luiban. Mit allem, was man nicht braucht. Aber was so schön ist. Farbige Briefumschläge, Letterpresskarten, die schönen Füllfederhalter, von denen ich träume, Büroklammern in allen erdenklichen Formen, Maskingtape, Geschenkpapier und mehr muss ich nicht sagen. In München gibt es das carta pura. Der Laden mit der schönsten Papierschaufensterauslage, die man sich vorstellen kann.  

bereit für Berlin

Was als Zwischenfazit geplant war, ist jetzt die Vorfreude auf ein nächstes Wochenende. Lebensmittel in Mitte. Vielleicht sollte ich angesichts der immer noch latent vorherrschenden Berliner Schwabenfeindschaft nicht erzählen, dass ich hier war und die süddeutsche Küche wirklich vom Feinsten ist. Wiener hatte ich. Mit Kartoffelsalat. Aber allen Skeptikern sei gesagt: Selbst Herr Siebeck fand lobende Worte. Und diesen ist niemals nie etwas entgegenzusetzen. Der Pianosalon ist ein unglaublicher, ein magischer Ort. Wo tagsüber Klaviere gebaut werden, werden abends Stühle aufgebaut, der Platz für eine Bühne freigeräumt, an der Wand hinten stehen Wein und Bier zur Selbstbedienung. Es gibt so viel zu sehen in dieser Fabrikhalle, in der von Hand Großes geschaffen wird und dann beginnt ein Konzert. Das sind meist ausgefallene Künstler, große sind dabei, weil die Klaviere auf denen sie hier spielen zur Extraklasse gehörten. Das sind Stücke, die nicht immer und überall gespielt werden. Aber das ist noch nicht genug: Es ist so intim, so nah. Die Musik zum Greifen. Nichts von kalten und sterilen Konzerthäusern, sondern die Wärme und Nähe dessen, was früher …

Kinderkram

Dass ich dort war, ist schon über ein Jahr her. Die Ausstellung ist schon lange vorbei. Aber sie hallt immer noch nach. Ich denke oft an sie zurück. Kinderkreuzzug von Martin Honert im Hamburger Bahnhof. Erinnerungen an die eigene Kindheit. Eine Reise zurück. Vor dem Tisch stehen, an dem der kleine Junge sitzt und wieder wissen, wie es ist, wenn diese Welt einfach zu groß ist. Im Film tauche ich manchmal noch ein. 3 Minuten 58 und bei Minute 1 auf Pause und wieder getroffen sein von diesem Kinderblick.

Buchboutique

Von außen ist diese Buchhandlung wie jede andere. Und würde ich nicht in diesem Viertel wohnen, vielleicht hätte ich sie nie besucht. Die Auswahl ist gut und sie ist schön verwinkelt, auf diese herrliche Art vollgestellt und heimelig klein. Aber was diesen Ort zu einem Besonderen macht, ist der Eigentümer. Ein hagerer, langer Mann, der in seiner Strickjacke genau hierher und nirgends anders hin gehört. Der manchmal Handschuhe trägt. Wegen der Druckerschwärze wohl. Aber sie passen so.  Zu ihm und zu diesem Ort. Und zu der Art, wie er Bücher einpackt. Ich gehe immer nur mit einem zur Kasse, weil es der schönste Moment ist. Es ist wie beim Kauf eines teuern Kleides. Wenn die Verkäuferin das Stück Stoff vorsichtig in das schöne, knisternde Seidenpapier einlegt und es dann ganz sorgsam in die schwere Papiertasche gleiten lässt, die dann über den Tresen reicht, ist der Gedanken, dass das da schon ganz schön viel Geld ist, ganz schnell verflogen.  Nicht zu vergleichen mit dem schnellen, hastigen Sale-Einkauf, beim dem die Teile eilig in die Plastiktüte geschoben …

noch einmal

Noch einmal Macarons kaufen und ganz lange auf das Schild an der Tür schauen. Macarons de Stephane. Fast. Da fehlt doch nur ein klitzekleines i. Macarons de Stephanie. Noch einmal hier viel zu viel Geld lassen für mehr Geschenkpapier als ich je werde Geschenke verschenken können, Seifenschalen, Kerzen, Vasen, doch diese dunkle Seidenbluse mit Punkten? Noch einmal in Küchenliebe und Schwesternherz Backformen bestaunen, in Kochbüchern blättern und meine Weckglas-Sammlung vergrößern. Einmal noch hier hin. Weil ich mich dieses Mal wirklich an Hawai wagen würde. Einmal noch im Cortado sitzen und vor lauter Portugiesisch mein eigenes Wort nicht mehr verstehen, mir überlegen ob ich liebe die Lemonbars oder noch einen frisch gepressten Orangensaft nehmen soll.  Einmal noch über den Wochenmarkt am Boxhagener Platz schlendern und mich vor lauter Auswahl nicht entscheiden können aber Blumen und Käse mitnehmen, weil man damit nie etwas falsch machen kann. Einmal noch im „Eat Crepes not Crap“ ein Croissant mitnehmen, die schöne französische Verkauferin bestaunen und mich fragen, wie sie es nur schaffen in einem schlabbrigen T-Shirt und mit zersausten Haaren so wahnsinnig …

Über die große Schönheit

Ein Film, der so schön, skurril, traurig und berührend zugleich ist, dass während der Abspann noch läuft, ich am liebsten sofort raus möchte, nur um mich vorne wieder in der Schlange anstellen und ihn gleich noch einmal zu sehen. Noch einmal in diese Welt eintauchen, sie aufsaugen, weil ich bestimmt ein Detail übersehen habe. Bilder wie Gemälde. Der Pastor, der auf der Schaukel schwingt, die Flamingos auf dem Balkon, das Versteckspiel im Klostergarten und immer wieder die Spaziergänge durch Rom in diesem ganz besonderen Licht, wenn die Nacht in den Tag übergeht, früher Morgen, späte Nacht, in dieser Zwischenwelt, in der sich die Welt noch sammelt, noch nicht ganz bereit ist. La grande bellezza. Diese Bilder unterlegt mit einer Musik, die auch nie aufhören soll. Klassische und die zum Feiern. Und zwischen Bildern, Geigenklängen oder tiefem Bass, Sätze, von denen ich nicht genug bekommen kann. Wie dieser: „In meinem Alter sind schöne Frauen allein nicht mehr genug.“ Bei Liedern drücke ich oft die Wiederholungstaste. Bei Filmen selten. Einmal die Geschichte kennengelernt und der Reiz ist …

das Fräulein in München

Es ist ein Mädchen-Ort. So ein blumiger, weißer, freundlicher. Der Name ist Programm. Das ist mir manchmal zu viel, an manchen Tagen aber genau das richtige. Und die Zimtschnecken, die Walnuss-Schokoladen-Brownies, die Quiche – die funktionieren an allen Tagen. Direkt hinter dem Viktualienmarkt als Zwischenstop vor dem Wocheneinkauf. Cafe Fräulein Frauenstr. 11 80469 München Montag bis Samstag von 09:00 Uhr bis 18:00 Sonntag und Feiertags von 10:00 Uhr bis 18:00

Angefangen in München

Es ist vorbei und das ist gut so. Das Oktoberfest ist das München-Klischee schlechthin. Wie Schicki-Micki. Aber das ganzjährig. Und darüber vergessen so viele, dass die Stadt doch so viel mehr ist und etwas ganz eigenes hat. Ja, sie ist nicht so cool wie Berlin, aber sie ist auf eine eigene Weise so schön, so viel unangestrengter und entspannter. In Berlin muss man was werden, in München ist man angekommen. Hier habe ich nicht das Gefühl, dauernd etwas zu verpassen. Es ist alles so herrlich unaufgeregt. Zwei Bücher, die allen noch-nicht-angekommenen dieses München zeigen, sind gerade erschienen. Einmal nur für Frauen [1] von der Illustratorin Kera Till, die in München wohnt und für alle ein Sonderheft von Monopol [2], was sowieso immer gut ist. Zwei Mal München. Und das ist erst der Anfang.

Lieblingssitzplatz

Mein Wohnzimmer. Was natürlich daran liegt, dass es praktisch am Ende meiner Straße liegt. Aber auch daran, dass ein Argument sich für die Wohnung zu entscheiden war, dass sie ganz nahe beim Kloster liegt. Denn das ist ein guter Ort. Wie ein Wohnzimmer eben. Es ist unkompliziert, da ist immer jemand den man kennt. Man kann reden, muss aber nicht. Man kann auch einfach nur draußen in der Sonne sitzen, eine Stunde mit seinem Espresso verweilen. Das hört sich so leicht an, aber geht nicht überall. Einfach dasitzend dürfen und einen Espresso trinken und lesen ist sogar eher die Seltenheit. Meist muss man reden oder auf jemanden warten, etwas essen, auf jeden Fall geschäftig sein. Im Kloster nicht. Da kann man einfach sitzen. Nur sitzen. Im schönsten Wohnzimmer Münchens eben. Zum Kloster Preysingstrasse 77 Montag bis Samstag: 10 bis 1 Uhr Sonntags 12 bis 1 Uhr