Weihnachten, Sinn und Plätzchen

Macht Weihnachten für dich Sinn? hat Micha gefragt. Mich, die ich am Sinn so schwer trage. Nicht nur im Dezember.

Es gibt Tage, da erscheint mir alles so unglaublich sinnlos. Wenn ich morgens am Bahnsteig stehe, auf die U-Bahn warte um ins Büro zu gehen. Wenn alle um mich herum hetzen und es eilig haben und ich auch getrieben und schon müde bin, von dem was alles zu tun und zu erledigen ist, bevor ich überhaupt begonnen habe. Wozu das alles, frage ich mich und mir will keine Antwort einfallen. Wenn ich mich unterhalten soll, weil sich das so gehört und ich aber nicht weiß, was beitragen zu der neuen Einbauküche, dem Bauplan des Carport, über die Flüchtlinge und dass das alles mit der Technologie nicht gut gehen kann, weil wir doch den Mensch darüber vergessen. Oder in anderen Kreisen die Gespräche über das neuste Gadget, die Wahnsinns-Kampagne, das Einhorn-Start-Up, wer es geschafft hat. Jetzt netzwerken, interessiert sein, klug kommentieren, denke ich mir und frage mich in der gleichen Sekunde wofür. Unendlich sinnlos. Ich schaue auf das Hinterherjagen nach mehr, besser, perfekter, dem Neusten das man gerade haben muss wie von außen, dabei bin ich doch Teil davon und weiß es.
Wenn ich davor fliehe, kommt auf der anderen Seite dasselbe nur mit anderer Verpackung daher: Das große Lob auf Minimalismus und Achtsamkeit. Da wird es bedeutungsschwer. Jeden Moment feiern. Und in diesem Videokurs erkläre ich Dir, wie ich endlich angekommen bin. Ich glaube ich mag ihn nicht sehen. Zuviel des Sinns. Sinnüberladen. Früher habe ich ja auch, aber heute bin ich viel weiter. Ich nicht.

Und dann gibt Tage, da macht alles Sinn. Meist die, in denen ich nicht danach frage. Dann bin ich einfach nur bis in die letzte Faser sehr, sehr dankbar. Für alles und nichts Bestimmtes. Fürs da sein. Ich stehe am selben Bahnsteig und warte auf die richtige U-Bahn und es ist richtig so wie es ist. Wenn ich nachdenke, was den Unterschied macht, dann sind es Dankbarkeit und Demut. Dankbarkeit für das überhaupt hier sein, lebendig zu sein und Demut, weil ich nur ein klitzekleiner Teil von etwas sehr viel Größerem bin.

An Weihnachten ist das Hin und Her des Sinn und Sinnlosen komprimiert in einen Monat. Ich sehe die Adventskalender und Geschenketipps für sie und ihn und die Schwiegermutter. Der edle Whiskey, die stylish Duftkerze. Wie sich die Massen durch die Stadt schieben und mich das viele Kaufen nervt, aber ich doch auch auf den neuen Winterparka schiele mit dem mein Leben bestimmt besser wird. Wärmer zumindest. Ich wickle meinen Eyukalyptuszweig um einen Metallring und fühle mich skandinavisch reduziert aufs Wesentliche des Festes konzentrierend. Perfekte Bildunterschrift für Instagram. Check.

Meist löst sich alles am 24ten. Mein liebster Moment ist der Nachmittag. Bis Mittag herrscht noch Geschäftigkeit und es wird ungemütlich im Supermarktgedränge, überhaupt auf den Straßen. Aber dann wird es von Stunde zu Stunde entspannter, alles legt sich und für 2 1/2 Tage ist alles sehr ruhig. Alle sind in ihren Häusern, bei ihren Freunden und Familien, es wird gegessen und beschenkt. Essen und beschenken macht unendlich viel Sinn. Die Welt da draussen ist so friedlich und ruhig, wie sonst nie am Stück im ganzen Jahr. Und damit auch in mir. Besinnlich bin ich. Ich sitze im Gottesdienst und mein Glaube ist nicht mehr der von früher und eine Mischung aus allem Möglichen, aber es berührt mich, fühlt sich lebendig an. Teil von etwas Größerem. Es ist schön. Vielleicht reicht das auch schon.

Macht das Sinn? Ich weiß es doch auch nicht. Aber vieles hat den Sinn, den wir ihm geben.

Plätzchen backen ebenso. Diese hier mag ich sehr. Der Mürbeteig sieht von aussen unspektakulär aus, hat aber im Inneren eine sehr weiche, sehr leckere Füllung. Ich habe mit sehr viel Mühe Muster in den Teig geformt, nur damit sie nach dem Backen nicht mehr zu erkennen sind. Vollkommen sinnlos. Trotzdem schön und ich würde es immer wieder tun.

Pistazien-Haselnuss-Kugeln

Mürbeteig

  • 250 Gramm Mehl
  • 1 Teelöffel Kardamom
  • 1 Prise Salz
  • 50 Gramm Puderzucker
  • 1 Ei
  • 1 Eigelb
  • 150 Gramm kalte Butter
  • Kardamon

Füllung

  • 50 Gramm Pistazien
  • 50 Gramm gehackte Haselnüsse
  • 75 Gramm brauner Zucker
  • 125 Gramm Butter
  • 1 Ei

Mehl, Kardamon und Salz mischen, auf eine saubere Arbeitsfläche geben und eine Mulde in der Mitte formen. Puderzucker, Ei und Eigelb in die Mulde geben. Butter in Stücken darum verteilen. Masse mit den Händen zu einem glatten Teig kneten. In Folie gewickelt zwei Stunden kalt stellen.

Zucker und Butter verquirlen. Ei dazugeben. Derweil Pistazien klein hacken und mit den Haselnüssen vermischen und unterheben.

Den Backofen auf 180 Grad vorheizen. Den Teig zu einer Kugeln formen, platt drücken und entweder mit einem Glas ein Muster eindrücken oder mit einer Mamoul-Form. Einen Löffel Pistazien-Haselnuss-Füllung in die Mitte geben und den Teig aussen rum verschließen. Mit der Nahtstelle nach unten auf das Backpapier setzen und im heißen Ofen auf der 2. Schiene von unten für ungefähr 20 Minuten backen. Aus dem Ofen nehmen und etwas abkühlen lassen.

Mit etwas Puderzucker bestäuben.

Die Frage mit Sinn und Weihnachten und einem Plätzchen-Rezept haben auch Julia von Chestnut & SageChristina von Feines Gemüse, Fee von Fee ist mein Name, Juliane von Schöner Tag noch!Maret von Buddenhohm & Söhne, Miss BouletteChristina von New Kitch on the Blog und  Micha von Salzkorn,

 

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10 Comments
  1. Fee ist mein Name

    10. Dezember 16:38

    Ich mag deine Gedanken! Immer. Gerade wenn sie kein klares Ergebnis haben. Denn sich vorzugaukeln, es gäbe immer eins, ist ein Fall von akuter Weltblindheit. Und die Plätzchen: sie klingen köstlich und ich würde mir jetzt liebend gerne eins in jede Backe (aka Wange) stecken ❤️!

  2. Micha

    10. Dezember 17:24

    Tja, die Sinnsuche – zuweilen gilt es den Sinn zu suchen: er scheint nicht von alleine vom Himmel zu fallen!

    Wie stets bin ich deinen Gedanken gerne gefolgt, Stephanie und schicke dir einen grand bisou und ein merci nach München fürs Teilnehmen…

  3. doris

    10. Dezember 17:55

    Wieder schön geschrieben. Die Plätzchen kann man fast riechen. Danke fürs Teilen mal wieder.

  4. […] ist mein Name, Juliane von Schöner Tag noch!, Maret von Buddenhohm & Söhne, Miss Boulette, Stephanie von stepanini, Christina von New Kitch on the Blog und natürlich Micha mit ihrem Salzkorn, denn sie war es, die […]

  5. Slo

    11. Dezember 22:56

    Danke für diesen -leider – so wahren Text. Nachdenklich machende und so passende Gedanken.
    Genussvollen Adventsabend, Slo

  6. alleaugenblicke.de

    12. Dezember 11:27

    Schöner Text. Danke dafür.

  7. […] Ich habe einen Platz, um meinen Kopf zu betten. Ich habe ein Dach über dem Kopf und dort ist es warm. Ich habe keinen Mangel an Essen und Trinken. Ich habe Freunde.Ich habe so viel mehr, als viele andere Menschen auf diesem wunderbaren Planeten. Und ich spüre, wie an diesem Ort auch wieder Heimat für mich erwächst. Und irgendwie macht das Sinn. Den Sinn, den ich ihm gebe.   […]

  8. […] GEMOCHT: Stepaninis Weihnachtsgedanken samt Plätzchen […]

  9. Anonymous

    20. Dezember 10:19

    Danke sehr für den schönen Worte und das interessante Rezept! Gleich ausprobiert und für lecker befunden. Heute ein zweiter Versuch mit dem Ziel kleinerer, formschönerer Kekse. 🙂 Alles Liebe.

  10. Myriam C

    23. Dezember 23:38

    Wie aus meinem Herzen geschrieben. Danke.

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