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Richtungsverändernde Begegnungen

  Ein Sonntagnachmittag. Zur Pinakothek spazieren und dazwischen länger als nötig im Tambosi verweilen, bei noch warmes Croissant und frisch gepressten Orangensaft die Dame beobachten, die älter scheint als sie ist und ein wenig zu früh an ihrer Weinschorle nippt. Über Bilder sprechen. Wie sie den eigenen Blick auf die Welt zeigen, wie man sich selbst zeigt in Bildern, weil immer etwas von einem selbst durch sie hindurchscheint. Und auf einmal habe ich wieder Lust und Mut durch den sanften Anstoß. Greife zur Kamera, die ich so viele Monate vernachlässigt habe, weil der Zugang fehlte und drücke den Auslöser. Danke Annett. Ich will nur den Schlüssel abholen. Schließlich kennt man sich kaum. Ein zwei kurze Hallos und lose Gespräche. Freunde von Freunden. Und dann wird aus dem kurzen Kaffee ein zweiter und noch ein Tee und es entspinnt sich ein Gespräch über den Osten und den Westen, das Leben und was man will und was nicht und wie schwer es ist, das eine vom anderen zu unterscheiden. Was eine Sache von fünf Minuten hätte sein sollen, …

Lektion eines Popstars

„Denn die Sachen, die man sich am Anfang der Karriere vorstellt, Geld, Ruhm, alle finden einen toll, die sind es nicht. Erst wenn du anfängst, dich in dem, was du erschaffst, zu erkennen. Dass du genau das sagst, was du sagen willst und ganz bei dir bist, das macht dich glücklich.“ Marius Müller Westenhagen im Spiegel-Interview

Kleine Ahnung

Ein kleines Video von nicht einmal drei Minuten. Wolf Wondratschek, den ich bewundere, der mich immer wieder anrührt. Ich habe mich oft seiner Worte bedient, wenn meine eigenen nicht ausreichten. „Geh nicht weg wie jemand, der nicht wiederkommt. Komm nicht zurück wie jemand, der bleibt“ hat er geschrieben und als einer mich fragte, wie viel Nähe mir den genehm sei, war das die Antwort. „Nicht ein Augenzwinkern verrät, dass sie gern leben“, schreibt er in seiner »Kleinen Rede an die Herren in den Flugzeugen“ und das war der Satz, den ich zitierte, als ich erklären sollte, warum es nicht mehr ging. Eine Ahnung von ihm und seiner Arbeit gibt dieser kleine Film. Von seiner Bedingungslosigkeit sich selbst, seiner Arbeit und dem Leben gegenüber. Wondratschek, der ging, der verschwand, und wer macht das schon, weil er nicht einverstanden war mit dem Bild von sich selbst und dem, das andere von ihm hatten. Man erhält eine Ahnung davon, wie es ist, wenn einer sein Leben ganz der einen Sache widmet. Dieses sich nicht zufrieden geben, das immer weiter suchen. Darüber, wie schwer es Gedichte heute haben und damit nochmals mehr die Menschen, …

Keine Angst

Ich sollte einen Fragebogen ausfüllen. 15 Fragen. Eine davon: „Wovor hast Du Angst?“ Das ist leicht beantwortet, das geht schnell, dachte ich. Ging es nicht. Ich, die ich mich Angsthase nenne, weil mich vieles immer wieder Überwindung kostet, musste erst einmal überlegen. Ich habe keine Angst vorm Fliegen. Das war mir in meinem Berufsleben jahrelang sehr hilfreich, denn die Qualen des frühen Aufstehen um vier Uhr für die frühen Flüge wurde durch das einstündige Schlafen im Flugzeug deutlich gemildert. Eingestiegen, Wolken und die Sicht von oben bewundert und schon war ich eingeschlafen. Ich habe zwar nicht überhaupt keine Angst vor Höhen, lediglich einen gesunden Respekt, aber nicht so großen, dass ich Aussichtstürme, Hochhäuser nicht genießen könnte. Ich bevorzuge einen gewissen Abstand zu Spinnen, aber Angst ist das nicht. Ich habe keine Angst vor öffentlichen Auftritten. Das war nicht immer so. Anais Nin hat einmal gesagt, dass wir weniger Ängste haben, je mehr wir uns unseren Ängsten stellen. Das habe ich beherzigt und es hat mir geholfen über die Jahre. Geblieben ist ein Kribbeln im Magen …

trotzdem

„Ich mache, weil ich will. Weil es mir Spaß macht. Denn das Schöne, glaube ich, entsteht nicht aus Notwendigkeit, sondern ihr zum Trotz.“ Steht in „Das Leben ist gut“ von Alex Capus.

bewusst Wertschätzer united

In die Stille hinein, muss ich dennoch kurz und unbedingt Ulma zitieren: „Muss ich jetzt mal anführen, dass freilich nicht immer alles eitel Wonne ist? Klar. Aber ich bin eine entschlossene Verfechterin der ganz bewussten Wertschätzung dessen, was gut ist. So einfach ist das.“ [aus einem Interview bei Okka]

kleine, kurze Auszeit

Es ist Sommer. Und nicht nur das. Es wirbelt auch einiges durcheinander und umher im Moment. Im Guten. Aber auch das kostet Kraft, Energie und Zeit. Das will sortiert und eingeordnet sein, bevor ich es in Worte fassen kann. Deshalb ist es gerade etwas ruhiger hier. Eine Woche noch oder zwei. Genießt den Sommer bis dahin. Feiert.

Vergegenwärtigung

In einem Moment, in dem ich ganz nahe dran war am lebendig sein, an diese Worte gedacht. „… wie dankbar ist man in diesem Zustand für ein solches Leben, diese Zugewandtheit und Bejahung von allem Sinnlichen“ stand in einem seiner Briefe, als er schon um seine Krankheit wusste.

Jeder nur ein Buch

Ich verschenke ein paar Bücher. Bücher, die mich eine Weile begleitet haben und Eselsohren tragen. Ich gebe sie weiter. Es braucht Platz für neue. Ich glaube ja, dass Bücher einen finden. Das ist wie mit Menschen. Ich kann da nachhelfen. Wer sich für Ausflüge in die „New Business Order“ oder „Die kaputte Elite“ interessiert oder eine Vorliebe für Hollebeque hegt, ist gut aufgehoben.  Eine kurze Mail an mich mit der Adresse und ein wenig Geduld braucht es. Dann kommt ein Buch zu Dir.  

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„We need never be hopeless, because we can never be irreparably broken. We think that we are invincible because we are. We cannot be born and we cannot die. Like all energy, we can only change shapes and sizes and manifestations. They forget that when they get old. They get scared of losing and failing. But that part of us greater than the sum of our parts cannot begin and cannot end and so it cannot fail. …. Thomas Edison´s last words were, „It´s very beautiful over there.“ I don´t know where there ist, but I know it´s somewhere, and I hope it´s beautiful.“ aus: Looking for Alaska von John Green Nizza.

gutes Investment, schlechte Erklärung

„Schreibst Du etwas über den Abend?“ Ja, das mache ich. Das mache ich irgendwann. Wenn ich weiß was. Noch fehlen mir die Worte. Wenn mich jemand fragt, warum ich das mache, weiß ich nicht was antworten. Weil etwas einfach zu tun sehr schön ist? Weil Schönes tun einfach sehr schön ist? „Da braucht man aber viel Enthusiasmus“, kommentierte einer leicht verständnislos auf diese, meine Erklärungsversuche. Wenn ich eine befriedigendere Antwort habe und bessere Worte gefunden, dann formuliere ich das. Dann sage ich etwas darüber, dass man nicht immer fragen muss, warum. Dass man auch einfach mal machen kann. Nicht um etwas Bestimmtes zu erreichen, sondern einfach nur aus Spaß und Freude am Tun. Darüber dass diese blöden irgendwann-mache-ich-das-Mals anstrengender sind, als es einfach anzugehen. In dieser Ausstellung von Stefan Sagmeister, in der ich noch nicht war, aber in die ich unbedingt irgendwann gehen möchte, sind wohl zwei Sätze zu lesen, mit denen ich auch hätte kontern können: „Immer wenn ich denke: „Das sollte ich machen“ oder „das sollte ich ausprobieren“ und es dann doch nicht mache, …