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Auf ein Neues

Als ich über dieses Jahr nachgedacht habe, darüber was passiert ist und was nicht, da fiel mir diese Geschichte wieder ein. Ein Abend in Berlin. Zusammen gekocht, mit der Familie gegessen und anschließend ein wenig durch den Friedrichshainer Kiez geschlendert. Ein warmer Spätherbstabend. Gespräche über das, was uns Angst macht, was wir tun könnten, Pläne schmieden. Irgendwo in einer Straßenabzweigung scheint in einem Laden noch Licht. Der Besitzer mit einem Glas Wein in der Hand winkt uns herein. Ich stehe in einem verwinkelten Antiquariat voller Bücher. Alle Bände von Adorno, vollständig, in der richtigen Reihenfolge. Alle Werke von Foucault aufgereiht. Alle da. Alles da. So chronologisch und sauber sortiert, dass es sich verbat etwas zu kaufen, weil ich dann die heilige Ordnung durcheinandergebracht hätte. Im Rückhaus wird an die gegenüberliegende Hauswand ein Film projiziert. Selbstgemachtes Freilichtkino. Tschechiches Arthouse. Von oben hören wir Klaviermusik. Weil es Berlin ist und nicht München und man da so etwas machen kann, gehen wir die Stufen hoch, immer der Musik nach. In einem leergeräumten, kahlen Zimmer steht nur ein Flügel, …

[Nr. 20 von 1/2]: Mut

Es scheint alles so unpassend. Bis vielleicht auf das, was ich gestern las beim Aufräumen und Sortieren, kurz bevor die ersten Anfragen kamen, ob es mir gut geht, ob ich schon in Berlin sei oder in München. „Es kommt einzig auf den Mut an. Er geht auch den Tapfersten oft verloren, dann neigen wir zum Suchen nach Programmen, nach Sicherheiten und Garantien. Der Mut bedarf der Vernunft, aber er ist nicht ihr Kind, er kommt aus tieferen Schichten.“ Schreibt Hermann Hesse.

[Nr. 15 von 1/2]: man selbst sein

„Ich glaube an so etwas wie ein echtes Selbst, und ich weiß wie selten es ist, so ein Selbst sprechen zu hören, zu sehen, wie es sich aus dem Kokon der Falschheit und des Nichtssagenden herausschält, aus den Scheingestalten, die wir anderen präsentieren, um ihnen zu gefallen, sie irrezuführen. Je gefährlicher das echte Selbst, desto raffinierter die Masken. Je ätzender das Gift, das wir am liebsten über andere ausspeien würden – um sie zu lähmen, zu töten -, desto größer der Nektar, mit dem wir sie locken, zu uns zu kommen, in unserer Nähe zu sein, uns zu lieben.“ Aus „Du sagst es“ von Connie Palmen

Verlauf im Rückspiegel

„Die zentrale Frage war: Bist du weitergekommen? Was war gut daran, was schlecht, wo warst du gelangweilt? Wie eitel warst du? Das sind die Kurven, in denen alles verläuft.“  Du wirst gespiegelt in dem, was du bist.“ Grönemeyer. In einem Interview. Für mich gelernt: Unterschätze Popstars nicht.

schmerzvoll

Ein Text. Ein großer. Gelesen am Morgen, als ich noch nicht bereit war für den Alltag und bis zum Abend ließ er mich nicht los. Wir können entscheiden, ob wir uns von etwas berühren lassen oder Dinge und Menschen nicht an uns heranlassen. Ich weiß nicht, doch ich weiß, was mehr weh tut.

Richtungsverändernde Begegnungen

  Ein Sonntagnachmittag. Zur Pinakothek spazieren und dazwischen länger als nötig im Tambosi verweilen, bei noch warmes Croissant und frisch gepressten Orangensaft die Dame beobachten, die älter scheint als sie ist und ein wenig zu früh an ihrer Weinschorle nippt. Über Bilder sprechen. Wie sie den eigenen Blick auf die Welt zeigen, wie man sich selbst zeigt in Bildern, weil immer etwas von einem selbst durch sie hindurchscheint. Und auf einmal habe ich wieder Lust und Mut durch den sanften Anstoß. Greife zur Kamera, die ich so viele Monate vernachlässigt habe, weil der Zugang fehlte und drücke den Auslöser. Danke Annett. Ich will nur den Schlüssel abholen. Schließlich kennt man sich kaum. Ein zwei kurze Hallos und lose Gespräche. Freunde von Freunden. Und dann wird aus dem kurzen Kaffee ein zweiter und noch ein Tee und es entspinnt sich ein Gespräch über den Osten und den Westen, das Leben und was man will und was nicht und wie schwer es ist, das eine vom anderen zu unterscheiden. Was eine Sache von fünf Minuten hätte sein sollen, …

Lektion eines Popstars

„Denn die Sachen, die man sich am Anfang der Karriere vorstellt, Geld, Ruhm, alle finden einen toll, die sind es nicht. Erst wenn du anfängst, dich in dem, was du erschaffst, zu erkennen. Dass du genau das sagst, was du sagen willst und ganz bei dir bist, das macht dich glücklich.“ Marius Müller Westenhagen im Spiegel-Interview

Kleine Ahnung

Ein kleines Video von nicht einmal drei Minuten. Wolf Wondratschek, den ich bewundere, der mich immer wieder anrührt. Ich habe mich oft seiner Worte bedient, wenn meine eigenen nicht ausreichten. „Geh nicht weg wie jemand, der nicht wiederkommt. Komm nicht zurück wie jemand, der bleibt“ hat er geschrieben und als einer mich fragte, wie viel Nähe mir den genehm sei, war das die Antwort. „Nicht ein Augenzwinkern verrät, dass sie gern leben“, schreibt er in seiner »Kleinen Rede an die Herren in den Flugzeugen“ und das war der Satz, den ich zitierte, als ich erklären sollte, warum es nicht mehr ging. Eine Ahnung von ihm und seiner Arbeit gibt dieser kleine Film. Von seiner Bedingungslosigkeit sich selbst, seiner Arbeit und dem Leben gegenüber. Wondratschek, der ging, der verschwand, und wer macht das schon, weil er nicht einverstanden war mit dem Bild von sich selbst und dem, das andere von ihm hatten. Man erhält eine Ahnung davon, wie es ist, wenn einer sein Leben ganz der einen Sache widmet. Dieses sich nicht zufrieden geben, das immer weiter suchen. Darüber, wie schwer es Gedichte heute haben und damit nochmals mehr die Menschen, …

Keine Angst

Ich sollte einen Fragebogen ausfüllen. 15 Fragen. Eine davon: „Wovor hast Du Angst?“ Das ist leicht beantwortet, das geht schnell, dachte ich. Ging es nicht. Ich, die ich mich Angsthase nenne, weil mich vieles immer wieder Überwindung kostet, musste erst einmal überlegen. Ich habe keine Angst vorm Fliegen. Das war mir in meinem Berufsleben jahrelang sehr hilfreich, denn die Qualen des frühen Aufstehen um vier Uhr für die frühen Flüge wurde durch das einstündige Schlafen im Flugzeug deutlich gemildert. Eingestiegen, Wolken und die Sicht von oben bewundert und schon war ich eingeschlafen. Ich habe zwar nicht überhaupt keine Angst vor Höhen, lediglich einen gesunden Respekt, aber nicht so großen, dass ich Aussichtstürme, Hochhäuser nicht genießen könnte. Ich bevorzuge einen gewissen Abstand zu Spinnen, aber Angst ist das nicht. Ich habe keine Angst vor öffentlichen Auftritten. Das war nicht immer so. Anais Nin hat einmal gesagt, dass wir weniger Ängste haben, je mehr wir uns unseren Ängsten stellen. Das habe ich beherzigt und es hat mir geholfen über die Jahre. Geblieben ist ein Kribbeln im Magen …

trotzdem

„Ich mache, weil ich will. Weil es mir Spaß macht. Denn das Schöne, glaube ich, entsteht nicht aus Notwendigkeit, sondern ihr zum Trotz.“ Steht in „Das Leben ist gut“ von Alex Capus.

bewusst Wertschätzer united

In die Stille hinein, muss ich dennoch kurz und unbedingt Ulma zitieren: „Muss ich jetzt mal anführen, dass freilich nicht immer alles eitel Wonne ist? Klar. Aber ich bin eine entschlossene Verfechterin der ganz bewussten Wertschätzung dessen, was gut ist. So einfach ist das.“ [aus einem Interview bei Okka]