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Umstellung

Ich werde ein wenig umstellen in den nächsten Tagen. Ich habe mich sattgesehen und brauche etwas Neues. Auch in meinem virtuellen Zuhause. Das kann dauern, weil ich immer nur soviel mache, wie ich gerade Lust habe. Ich lasse mir Zeit. Das heißt, dass dann mal eine Kommode im Weg stehen wird oder jeden Tag die Schrift ein wenig anders daherkommt, die Bilder aus dem Rahmen springen, die Kategorien umeinanderhüpfen und einfach nicht alles mehr an dem Platz ist, an dem es vorher stand. Alles ein wenig unaufgeräumt. Das ist dann ungewohnt, gehört aber zur Umstellung dazu. Meike Winnemuth hat in einem etwas anderem Zusammenhang etwas geschrieben, dass ich nachempfinden kann:  „Freiheit ist erst mal eine Zumutung, niemand von uns hat gelernt, wie das geht. Wenn einem niemand die Entscheidung abnimmt, womit der Tag zu füllen ist- kein Boss, keine Familie, keine Institution -, und man völlig ohne Strukturen lebt, ist das ebenso berauschend wie beunruhigend.“  Steht in diesem schönen Buch, über das ich auch schreiben will. Im neuen Kleid dann. Wenn die Struktur auch hier wieder hergestellt …

kleines Feuer

Das alles passt, ist selten. Manchmal ist die Melodie wunderschön, über den Text muss allerdings hinweggehört werden. Ein anderes Mal sind die Texte ganz wunderschön, aber die Töne so eintönig und nicht besonderes, dass ich mir die Zeilen nur herausschreibe.  Letzt ein Lied entdeckt, bei dem beides passt und das ich seitdem rauf unter runterhöre. „Small fire“ heißt es. Mick Flannery singt es. Es ist unglaublich schön. Also Bonus oben drauf, habe ich einen Konzertmitschnitt entdeckt, in dem er die Geschichte hinter dem Lied erzählt. Sein Großvater spielte als er klein war am Heuschober seiner Eltern mit Streichhölzern. Bis der Heuschober dann Feuer fing und niederbrannte. Aus Angst vor der drohenden Strafe versteckte er sich unter dem Bett. Seine Mutter suchte ihn über zwei Stunden und als sie ihn endlich fand, sagte er: „I lit the small fire, I don´t know who lit the big one.“ Hat gar nicht so viel mit dem restlichen Lied zu tun, ist aber eine der schönsten Zeile darüber, wie aus Kleinem etwas Großes wird zuweilen. Kleine Gedanken, die zum Flächenbrand werden. Kleine Gesten, die einen …

Montagsmögen

Jeden Montag: Zwei, die ich mag. Was ich gerade mag? Diese Tage vor Weihnachten, wenn es schon ruhiger ist und ich noch umräumen, wegräumen kann. Mich ein wenig sortieren, feststellen, was alles war, was ich alles nicht geschafft habe und wie viel dann doch. Ein wenig Ordnung machen. Mit so einem Gitterdraht (hört sich besser als an Maschendrahtzaun) über meinem Schreibtisch zu Hause liebäugle ich schon länger. Hier gibt es noch mehr davon. Damit wäre alles, was zu tun ist, immer im Blick. Alles ganz ordentlich. Mein Schuhschrank ist überhaupt nicht aufgeräumt, was als respektabler Grund durchgeht, warum ich ein paar neue Weihnachtsschuhe brauche. Diese hier zum Beispiel. Die sehen ordentlich aus. Wenn wir heute geschafft haben, wird es übrigens heller. Jeden Tag ein wenig mehr. Dann ist die dunkelste Zeit vorüber. Ein Lied für dunkle Tage und die danach, weil es wunderschön ruhig, zart und sanft ist und eine eigene, eine innere Ordnung herstellt – das mag ich außerdem.

Montagsmögen, das am Freitag daherkommt

Jeden Montag: Zwei, die ich mag. Ich weiß, dass es Freitag ist. Aber da kam ein Husten daher und das Leben, das gerade turbulent ist und auf einmal sind vier Tage vergangen. Was ich mag? Mir ist so nach Einigeln. Mich zurückziehen, es mir warm machen, den Rest der Welt draußen lassen. Außerdem mag ich es warm an den Händen und trotzdem bitte fröhlich. Mit diesen Handschuhen, diesen oder jenen. Ich mag dieses Lied. Hold your head up high. Immer. Egal, wie schnell die Welt sich dreht, warm oder kalt es ist.

Montagmögen

Jeden Montag: Zwei, die ich mag. Es genießen, wie es ist. Ganz entspannt. Das ist ja Kopfsache und nicht etwa Resultat eines Wellness-Wochenendes, wie so viele meinen. Deshalb gefällt mir diese Illustration von 1eBeat so sehr. Tee trinken, wenn ich Tee trinke und nicht noch etwas nebenher zu machen oder gedanklich schon woanders zu sein – all das vergesse ich manchmal und dieser schöne Reminder schafft vielleicht Abhilfe.  Ich mag diese Jeans. Weil ich zwar schon fünf im Schrank habe, aber diese sehr entspannt ist. Ich mag dieses Lied und überhaupt diese Künstlerin, die ich auf der Party zum Einjährigen von akjumi und Kirsten Becken live hören durfte. Ganz entspannt war es da. Herrlich entspannt. So kann es weitergehen.

Let it snow, let it snow, let it snow

Für mich soll es rote Rosen regnen, sang die Knef. Zur Weihnachtszeit adaptiert: Für Dich soll es Rosenblätter schneien. Hier ein Keks. Zum Advent verschenke ich Rosenblütenwolkenkekse. Warum? Weil diese Wortkreation so schön ist. Weil die Kekse selbst so schön sind mit ihren Rosenblättersprenkeln und schwarzen Sesamtupfern. Weil sie außergewöhnlich sind. Nicht zu süß, nicht zu salzig. Und mit ihrer Besonderheit dem anderen verraten, dass ich ihn auch für etwa Besonderes halte. Weil sie schnell und einfach gemacht sind. Der Advent ist so kurz, Zeit so kostbar. Diese Kekse lassen sich in den Alltag reinschieben. Man kann den Teig an einem Abend zubereiten, die erste Fuhre erst am nächsten Tag und die nächste am Tag darauf backen. Weil selbstgemachte Kekse zum Tee passen, zum Frühstück, zum nur so zwischendurch, um sich selbst zu belohnen, zu später Stunde, wenn man eigentlich nichts mehr essen sollte, aber gerade so Lust hat auf irgendetwas Kleine. Weil Rosenblütenwolkenkeke so klein sind, dass sie in eine kleine Pergamenttüte passen. Damit bringen sie den anderen nicht in die Verlegenheit, dass er auch …

Montagsmögen

Jeden Montag: Zwei, die ich mag. Wie es läuft gerade. Nicht, dass es besonders gut oder besonders schlecht liefe. Leben halt. Aber es so zu nehmen, wie es kommt funktioniert gerade sehr gut. Mich über das freuen, was ist, vertrauen darauf, das es gut wird, wie es kommt. Leichtfüssig durchgehen, stolz flanieren und das geht in hohen Schuhen immer noch am besten. Ich mag außerdem, dass ich meine liebsten Gummistiefel wieder auspacken konnte. Das ist eine ganz andere Art des Laufens. Hallo Novemberregen. Der hat auch etwas. Und dieses Lied von Al Green mag ich sehr. Ein Regenlied. Ein Klassiker. Der immer wieder läuft. Läuft bei mir.

Ich sehe was, was Du nicht siehst

Ein später Herbstnachmittag in Regensburg. Beim Herausgehen aus dem Cafe, fällt mein Blick auf diesen Herren, den ich nicht kenne, der im Hauseingang steht und eine raucht. Ich fand ihn sehr attraktiv, wie ich oft oder manchmal Menschen schön finde. Männer und Frauen. Momente. Augenblicke. Ich habe das Festhalten durch Fotografieren nie als Widerspruch zum da sein und im Moment sein empfunden, sondern eher als ein Herausgreifen. Es betont und hält an, blendet aus. „Der Existenzialismus ist ein Lebensgefühl, das kein Morgen kennt, kein Leben nach dem Tod, es kommt von der Erfahrung des Krieges. Und das Prinzip Hoffnung, wie Ernst Bloch es denkt, nimmt doch dasselbe Gefühl zum Ausgang, und es lehrt, wie Lebenskraft und Fantasie und intellektuelle Kräfte uns vorantreiben, und beide Philosophien schließen einander nicht aus. Faust durchwandert die Welt, er betritt Stufen, auf jeder neuen beginnt er neu. Verweile doch, du bist so schön, das würde Faust so gerne einmal sagen, zum Augenblick, auf den hin er lebt. Camus´Meursault sagt: Du bist der Augenblick, bis der nächste kommt. Beide erleben ihre Momente des Entäußert-Seins und …

Montagsmögen

Jeden Montag: Zwei, die ich mag. Noch hin- und hergerissen zwischen Wut und Traurigkeit, Beklommenheit angesichts der Nachrichten und doch immer wieder dem Glauben an Menschen und an das Gute. Das ist nicht klein zu kriegen. Was gut ist: Mister Frog von Holger Becken hat es mir sehr angetan. Ein Vater-Tochter-Projekt. Er zeichnet, sie weiß wie man es im Internet der Welt zugänglich macht. [Toll fotografieren kann sie auch]. Eine gute Sache. Das Buch Kindheiten von Sempé, diesem ganz besonderen Menschen, der voller Feingefühl war und einem Blick für die Besonderheiten der Menschen, habe ich schon vor langer Zeit ins Herz geschlossen. In diesem Buch zeichnet er seine eigene Kindheit einfach so, wie er sie sich gewünscht hätte. Sich eine gute, eine bessere Welt zu imaginieren kann und darf nicht verkehrt sein. Ein Anfang. Ein Lied noch, dass ich mag. Little Bird. Klein fängt es an.

Bitte bleib noch

Wenn man Liebeskummer hat, ist man sowieso schon in einem äußerst angreifbaren Zustand. Das mag erklären, dass einem nichts, aber auch gar nichts mehr peinlich ist. Wer leidet, dem empfehle ich Jaques Brel. Dem kann man in nüchternem Zustand kaum zuhören, aber wenn das Herz schmerzt oder der Kopf durch zu viel Wein benebelt ist, dann gibt es niemandem, der einen besser versteht als er. Er weiß was Leiden ist. Ne me quitte pas, verlass mich nicht, das muss man überhaupt erst einmal über die Lippen bringen und er singt es mit aller darin zu Grunde liegenden Verzweiflung. Ne me quitte pas. Die Quittenzeit nähert sich dem Ende, was mich traurig stimmt. Ich habe nämlich – und das passiert ja oft gegen Ende von Beziehungen – jetzt erst erkannt, was ich an ihr habe. Quittengelee und an guten Tagen ein Quittenlikör, mehr war nicht drin. Nun erst sehe ich das Potenzial und die vielen guten Seiten an ihr. Ist mir nicht aufgefallen, als sie sich noch auf dem Küchentisch stapelte. Da war sie so selbstverständlich und eben einfach …

Montagsmögen

Jeden Montag: Zwei, die ich mag. Diese Sätze von John Green aus dem Buch Looking for Alaska, weil sie mich daran erinnern da zu sein. Das tut vor allem Montags gut. Der Tag, an dem die Zukunft oder wenigstens die Woche so herrlich unverbraucht vor einem liegt. Ich mag außerdem diese Häkeleien von Claudia. Handgemacht, sehr liebevoll, zeitlos. Weihnachten liegt ja in nicht allzu ferner Zukunft. Desweiteren höre ich gerne dieses Lied am Abend und tanze zu diesem am Morgen. Ich mag überhaupt gerade alle Zeitzonen: Futur, Perfekt und das Präsenz, das zwischendrin. Ein guter Zustand. Der darf so bleiben.

das muss sein

„Wir müssen das, was wir denken, auch sagen. Wir müssen das, was wir sagen, auch tun. Und wir müssen das, was wir tun, dann auch sein.“ Diese Worte von Alfred Herrhausen gingen mir nicht aus dem Kopf in den letzten Tagen, in den letzten Wochen. In der Tristesse der Hotelzimmer, die vorgeben ein Zuhause zu sein und es gerade deswegen doch nie oder selten sind. Sonst sage ich mir immer: „Wir müssen überhaupt gar nichts.“ Aber doch. Sagen, tun und sein – das müssen wir.

Der, die oder das Andere

„„Menschen sind Resonanzwesen. Das Gefühl gesehen und anerkannt zu werden ist so wichtig, wie kaum etwas anderes“, hat der Soziologe Hartmut Rosa gesagt. Das erklärt einiges, wenn nicht sogar vieles. Beispielsweise das Phänomen, dass wir ein Gespräch als gut empfinden und das Gegenüber als intelligent erachten, wenn unsere Meinungen und Ansichten in möglichst vielen Punkten übereinstimmen. Wir mögen generell Menschen, die so aussehen, so leben, sich so verhalten, wie wir es tun. Der andere ist ein Spiegel meiner selbst und zwar nicht nur in der engsten aller Beziehungen, der als Paar, sondern auch in den anderen außen herum. Und so umgibt man sich auch mit solchen. Im Studium und im Beruf kennengelernt ist man eines Tages unbemerkt von seinesgleichen umgeben. Das ist nicht unbedingt so gewollt. Es passiert einfach mit der Zeit. Und fällt nicht auf, weil das sicheres Terrain ist. Die Mediziner tummeln sich mit den Medizinern, die Juristen mit den Juristen. Die Banker mit den Bankern. Auch die Werber bleiben gerne unter sich. Wenn irgendwann Kinder kommen, kommt man mit anderen Berufgsruppen in Kontakt, aber in …

Montagsmögen

Jeden Montag: Zwei, die ich mag. Jeans beispielsweise gerade sehr. Lange Zeit gar nicht und jetzt gerade fast nur. Liegt vielleicht daran, dass ich eine neue habe. Und neue Dinge muss ich immer sofort und ausgiebigst tragen. Diese Creme habe ich auch neu entdeckt und mag sie sehr. Riecht gut und ist geeignet für trockene Winterhaut. Dieses Lied kenne ich schon so lange und mag ich ebenso lange. Weiß nicht mehr, wo ich es entdeckt habe. Aber es ist eines, dass beim Autofahren nachts zu hören ist. Weiß nicht warum. Manche Lieder sind dafür einfach besser geeignet als andere. Und das ist so eines. Geeignet sein. Mag ich auch. Wofür auch immer.

Die nächste Stufe der Beziehung

Wenn man sich schon ein wenig näher kennt, wenn man ein oder zwei Abende miteinander verbracht hat und auch ein paar ganze Tage, wenn man sich und den anderen nicht mehr die ganze Zeit auf den Prüfstand stellt, dann erweitert sich irgendwann der Kreis der Zweisamkeit und man wird den Freunden vorgestellt. Das ist Vertrauensbeweis und das Zeichen, dass das nicht nur eine kurze Affäre ist, sondern sich zu etwas entwickeln könnte von Dauer. Irgendwann sind dann auch die Eltern dran und die Familienfeier. Diese Erweiterung des Kosmoses ist ein Beleg dafür, dass die Beziehung trägt, dass der andere eingelassen wird in den Kreis derjenigen, die schon vorher da waren. Dort entdeckt, man nochmals andere Seiten am Anderen. Wie er den Coolen gibt vor seinen Freunden. Wie man eine Ahnung bekommt, von dem kleinen Jungen, der er mal war, wenn er wieder am Esstisch seiner Eltern sitzt. Das musste ich mir vor Augen führen, als ich dieses Buch über Roger Willemsen las. Den glaubte ich nämlich zu kennen. Aus dem einfachen Grund, dass ich sehr für ihn schwärme. Vielleicht …