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alles sonst so

Anlauf für den besten Absprung in den Herbst

Max Frisch wurde in einem Interview einmal gefragt, was ihm im Rückblick auf sein Leben aufgefallen ist, nicht was er anders machen würde, einfach was ihn ihn im Resümieren wundert. Er zögert lange und antwortet schließlich, dass er feststellt, dass er so vieles doch schon früher gewusst hat und es dann doch so lange gebraucht hat, bis er handelte. Der Arbeitsplatz, den er früher hätte verlassen, die Ehe, die er zeitiger beenden hätte können. Nichts liegt mir ferner als dem zu widersprechen, den ich so verehre. Aber vielleicht, so kam mir der Gedanke, unterschätzt er die Bedeutung des Anlaufs. Ich…

aufgelistet: Monochrome Grünstimmung meets kind of blue

Grünen Tee in Litern getrunken, weil die Tage lang und die Nächte kurz sind gerade. Gerabeitet, nicht hintergekommen, noch mehr gearbeitet, aber immer das Gefühl, das alles gar nicht einholen zu können, kurz davor zu sein, überrollt zu werden. Ein wenig Miles Davis zugehört. Neben Keith Jarrett ist er mein verlässlicher Ruhigmacher, ein nicht verschreibungspflichtiger Tranquilizer. Ich glaube, es ist das Trompeten. Das kann ich nicht, aber ich weiß, dass man dafür ruhig und kräftig atmen muss und das schadet in übervollen Zeiten auch nicht. Überträgt sich irgendwie. Musikalische Atemtherapie. Außerdem liefert kind of blue genau die richtigen Töne für die Nachtstunden, wenn ich…

Montagsmögen

Jeden Montag: Zwei, die ich mag. Ich habe turbulente Wochen hinter und turbulente vor mir. Bei dem Gedanken daran, wird mir manchmal heiß, manchmal kalt, nur um dann festzustellen, dass ich es eh einfach nehmen muss, wie es kommt. Ich bin vorbereitet. One day at a time. Immer fröhlich. Und sollte ich es vergessen, stolziere ich abends in diesem Sweatshirt durch die Wohnung mit dem dezenten Hinweis für mich und der klaren Botschaft an andere worauf es ankommt, egal wie es läuft und was läuft: Immer das Beste draus machen, fröhlich sein, dankbar sein. Und ich mag dieses Lied. Es macht fröhlich. Nicht…

Ich wäre dann soweit

Ozapft is. Das ist mein offizieller Herbst-Auftakt. Der Sommer ist vorbei, wenn ich das Dirndl aus dem Keller hole, immer hoffend, dass es bitte noch passt und die Gästematratze in den hintersten Ecken der Kammer suche, weil in diesen drei Wochen unerklärlicher Weise ein statistisch nicht zu erklärender Ausschlag an Besuchsanfragen in meinem Haus zu verbuchen ist. Wie dem auch sei: Es ist eröffnet und ich wäre dann auch bereit für den Herbst. Mit ein paar kleinen, noch zu treffenden Vorkehrungen wie diesen: Kaschmirpullover all over. In dem Punkt mache ich keine Kompromisse. Ich mag nichts Kratziges auf der Haut. Und…

Die Vorteile eines durchlässigen Gewebes

Es gibt Tage, da denke ich, es wäre gut, weniger durchlässig zu sein. Aber die Momente sind kurz. Weil ich insgeheim weiß, wie viel ich auch verpassen würde, wie viel Welt einfach so und ungesehen an mir vorbeiziehen, an mir abperlen würde.  Rechts neben meiner Wohnung, leicht um die Ecke, steht ein Altersheim. Auf diese anonyme Städter-Art beäugt man sich gegenseitig mit dem nötigen Abstand und kennt sich doch. Seit diesem Sommer ist dort schräg gegenüber ein älterer Herr eingezogen. Ich habe ihn ins Herz geschlossen. Ich weiß nichts, rein gar nichts von ihm. Geschweige denn kenne ich seinen Namen. Aber…

Montagsmögen

Jeden Montag: Zwei, die ich mag. Sanftheit. Die Eleganz und Stärke, die in der Sanftheit liegen. Oft hat das laute und große Krawumm seine Berechtigung, oft aber auch die leisen Töne. Sie begegnen mir ein wenig in diesem Bild. Neben vielem anderem. Und ich mag dieses Kleid. Überhaupt, wie sehr ich Kleider mag. Mit ihnen ist man immer angezogen, präsent und doch zurückgenommen, nicht laut. Leise und voll sanfter Überzeugungskraft. Ein Lied mag ich außerdem. Eines, das ich kenne, auswendig kenne und das mir leicht gedreht, sanft verändert von einem anderen gesungen, wieder wie neu erscheint. Geht sie sanft an, diese Woche.…

#throwbacktowhatever

Bei Instagram gibt es den Hashtag #throwbackthursday. Er findet Verwendung, wenn donnerstags alte Kinder- oder Jugendbilder gepostet werden und sorgt für Amüsement, weil es immer wieder herrlich zu sehen ist, mit welchem Frisuren oder Kleidungsstücken man mal so stolz durch die Welt maschierte. Es ist ein Blick zurück, der das heute besser verstehen lässt. Heute ist Sonntag. Das ist ein altes Bild von mir. Ein sehr altes und gleichzeitig sehr aktuelles. Sozialen Medien wie Instagram oder Blogs wird oft vorgeworfen, dass sie selbstreferentiell seien. Sie bewegen sich nur im eigenen Kosmos, berichten nur aus ihrere Perspektive, drehen sich um sich selbst und…

Montagsmögen

Jeden Montag: Zwei, die ich mag. Dieses Bild von Robert Tiscoli. Im Englischen gibt es den Ausdruck "to have your head in the clouds". Das ist nicht immer als Kompliment gemeint. Dabei lohnt es sich doch so oft, nicht immer genau hinzusehen, was bei rauskommt, wie es sich rechnet, ob es möglich ist, sondern es einfach trotzdem zu machen. Ein beherztes Trotzen den Umständen, Bedenkenträgern und Besserwissern und das mit aufrechtem Haupt. Gut behütet dabei zu sein kann zumindest nicht schaden. Dann mag ich noch ein Lied, von einer Band, die aber eigentlich fünf Bands sind und die jetzt zusammen…

Lebensspur

"Ich spüre real, dass ich lebe. Ich werde nicht mehr aufgezehrt. Oder zumindest existiert hier ein Teil von mir, der nicht aufgezehrt wird. Und genau das verschafft mir dieses sinnliche Gefühl, zu leben. Ein Leben ohne dieses sinnliche Gefühl mag ewig dauern, doch es ist ohne Bedeutung. Das weiß ich jetzt." aus: Schlaf von Haruki Murakami…

Liebestod. Der schöne.

Er hat es wohl gar nicht gesagt. Der Herr Bukoswski. Gut, ist es trotzdem. Und es würde zu ihm passen. "My dear, find what you love and let it kill you. Let it drain you of your all. Let it cling onto your back and weigh you down into eventual nothingness. Let it kill you and let it devour your remains. For all things will kill you, both slowly and fastly, but it’s much better to be killed by a lover."…

sehnsuchtsvoll

"Man hat halt oft so eine Sehnsucht in sich - aber dann kehrt man zurück mit gebrochenen Flügeln und das Leben geht weiter, als wär man nie dabei gewesen." Dieser Satz von Ödon von Horváth steht in meinem Notizbuch und so stolpere ich oft darüber. Manchmal mache ich mir darüber eine Eisschokolade. Danach geht es weiter. Und ich bin dabei.…

Montagsmögen

Jeden Montag: Zwei, die ich mag. Es ist fast schon Dienstag und mir fällt nichts ein, dass ich gerade mag. Doch. Das Montagsmögen. Dass es gut ist, einmal mindestens in der Woche anzuhalten und mich fragen zu müssen, was ich eigentlich mag, wen ich eigentlich mag. Dankbar bin ich. Sehr, sehr, sehr. Und daran muss ich wieder denken, bevor ich das alles hier wieder für selbstverständlich erachte, was es nicht ist. Niemals ist. Dieses Bild, dass ich vor sehr langer Zeit gemacht habe, ist eine Erinnerung daran.  Und ein Lied, dass mich schon seit vielen Jahren begleitet, ebenso. One Life. Ein gutes…

noch komisch, noch nicht tragisch

"Es ist immer der gleiche Spruch. Dieser alberne Witz, den nur wir verstehen. Aber mit diesem Witz bestätigen wir sozusagen die Wirklichkeit. Die Wirklichkeit, dass wir es irgendwie geschafft haben. Es ist ein sehr wichtiges Ritual." aus: Schlaf von Haruki Murakami…

einschlafen und aufwachen

Jeder Mensch hat seine Mechanismen um mit dem, was das Leben einem so entgegenschleudert oder auf den Rücken packt, umzugehen. Die entwickeln sich eben im Laufe der Jahre. Welches Geheimrezept aus dem Apothekerkasten gegen die Sinnfragen und den Weltschmerz am besten funktioniert, hat man irgendwann heraus. Manche rennen davon, mancher betrinkt sich, andere zerstreuen sich und manches Mal hilft auch nur alles zusammen oder wahlweise hintereinander. Mache ich auch alles gerne. Aber mein ultimatives Heilmittel ist der Schlaf. In den Momenten, in denen die Welt ein wenig zu viel für mich ist und ich nicht weiß was tun, wie die richtige Antwort lautet,…