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Nullsummenspiel

“In dieser Gesellschaft ist der Tod allgegenwärtig. Wo immer du hinblickst. Leute, die sich schminken lassen, liften, falsche Zähne einsetzen, kaufen, edelkaufen, ein unbeschreibliche Lebensgier, eine sich in Verdoppelung ausbreitende Sucht der Selbstverwirklichung, die nach einer Zweitwohnung, nach dem Zweitauto, Zweitfernseher, der Zweitfrau verlangt, denn man weiß, auch der Papst ahnt es, nicht, nichts kommt danach. Wir leben in der transzendentalen Obdachlosigkeit. Dies bißchen Erde. Das ist alles. Hier, hier, hier. Jetzt, jetzt, jetzt. Sonst nichts. Es ist nur die Frage, wie man damit umgeht, also auf Schnäppchenjagd geht oder etwas anderes sucht.” aus: Rot von Uwe Timm…

Grund zu feiern

"Wir versuchten zu beweisen, dass wir alles hatten, weil wir ja Partys gaben, aber ich bekam allmählich das Gefühl, wir hatten außer Partys nichts." aus: Wie sollten wir sein? von Sheila Heti…

Fortsetzung erwünscht

Ich könnte über die gesamte Reihe schreiben. "Fröhliche Wissenschaft" heißt sie. Eine Reihe, über die der Dichter Ulrich Schacht gesagt hat: "Sie passt in jede Jackentasche. Aber auch in jeden Kopf?" Sie sind meine ständigen Begleiter. Der Vorteil des Handlichen liegt auf der Hand. Schmal, ganz schmal verschwinden sie in der Handtasche und machen sich gut neben Lippenstift, Kekskrümmeln, Taschentüchern, Stiften und der zu teuren, aber so gut riechenden französischen Handcreme. Und einmal hervorgeholt in den kurzen Alltagspausen und reingelesen sind sie so voller guter Gedanken. Von der Art Gedanken, die nicht sofort verdaulich sind, sich nicht gleich erschließen, die…

das richtige Gemüt

Einen Satz gefunden oder er mich. Wer weiß das schon so genau. Aber auch wenn wir uns erst kurz kennen. Er bedeutet mir viel. "Er hat und das ist vielleicht sein größtes Glück, das richtige Gemüt, um nicht zu verzweifeln. Er hat nicht die Aussichtslosigkeit des großen Ganzen im Blick, sondern die Machbarkeit des nächsten Schritts." aus dem Zeitmagazin…

wie ein offenes Buch

"Offenheit für ein Buch ist unerlässlich, und Offenheit ist einfach eine Bereitschaft, sich von dem, was wir lesen, verändern zu lassen. Das ist nicht so leicht, wie es sich anhört. Viele Menschen lesen, um ihre eigenen Ansichten zu erhärten. Sie lesen nur über ihre eigenen Interessengebiete. Sie glauben zu wissen, was für ein Buch es ist, ehe sie es aufgeschlagen haben, oder sie haben Regeln, die, wie sie sich einbilden, befolgt werden sollten, und reagieren mit Bestürzung, wenn etwas ihren Vorhersagen zuwiderläuft. Bis zu einem gewissen Grad liegt dies in der Natur der Wahrnehmung. Wiederholte Erfahrung schafft Erwartung, was die…

Bücher. Zehn.

Das mit den Eiskübeln ging an mir vorbei. Die Frage nach zehn Büchern nicht. Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins von Milan Kundera. Allein den Titel muss man sich auf der Zunge zergehen lassen und darin steckt sie schon, die Poesie, die wunderbare, die sich durch das Buch zieht. I.M. von Connie Palmen und alle ihre Bücher. Connie Palmen schreibt Sätze, die so unmittelbar sind und so treffend, dass ich zusammenzucke, weil ich mich erkannt fühle. Sie benennt Dinge, die ich umschiffe und diese sezierende Ehrlichkeit ist so entwaffend und befreiend und wahr. So viel ärmer wäre ich, hätte ich ihre Bücher nicht…

Abendstudium für ein besseres Weltverständnis

Ich habe es noch nicht ausgelesen. Aber wie sehr ich es schon jetzt mag. Leben, Denken, Schauen von Siri Huvstedt, dieser Frau, die so schön ist und mit Paul Auster verheiratet und auf diese unglaublich Weise klug. Ich lese ihre Essays, einen nach dem anderen und schüttle immer den Kopf über ihr Wissen und ihre Neugier, was sie sich angelesen und angeeignet hat, wie sie verstehen will und begreifen, so unermüdlich wissensdurstig. Das lässt mich staunen. Immer wieder. Sie schreibt über das Lesen, neun Seiten lang und ich bleibe verwundert zurück, weil sie Aspekte beleuchtet und einen Blickwinkel wählt, der mich das,…

Auf die Merkliste für immer

Es gibt viele schöne Sätze in Okka´s Buch. Aber diese haben es mir besonders angetan. Keine Sätze streng genommen, sondern drei Punkte. Sie stammen aus einer Liste mit Dingen, die sie ihrem Kind irgendwann einmal zeigen möchte und diese drei sind so sehr meine. Ich habe sie auch auf meiner Merkliste für immer. Über all den Kleinigkeiten, möchte ich die großen nicht vergessen. Wie grandios Faulheit ist. Und wie grandios es ist, sich anzustrengen. Für das Eigene. Für das, was einem wichtig ist. Egal, wie weit man damit kommt. Dass es nicht darauf ankommt, ob man ein Angsthase ist. Nur auf den Versuch,…

gesunde Mutterliebe und große Buchliebe

Die Grippe hatte mich erwischt und ich war fertig wie lange nicht mehr. Glieder schwer, der Kopf dick, der Hals kratzt und jede kleine Bewegung einfach nur zu viel. Ans Bett gefesselt, weil alles andere zu anstrengend wäre. Alleine mit mir und dem Buch, dass ich gleich bestellt hatte, als ich davon erfahren habe. In zwei Tagen gelesen. Und genesen. Ich glaube fest daran, dass dieses Buch Anteil daran hatte. Es wurde mir so warm ums Herz und ein klein wenig feucht in den Augen. Mutterliebe. Diese große, unumstößliche schwappt einem in voller Wucht entgegen und hüllt einen ein. Geborgenheit…

richtig gelegen

Bilder deiner großen Liebe. Natürlich schwingt das Wissen mit, um die Umstände unter denen es geschrieben wurde. Aber nach ein paar Seiten passiert das, was schon in Tschik passierte. Wenn ich das Buch beiseite lege und raus muss in die Welt, dann scheint sie mir ein irgendwie freundlicherer Ort zu sein. Ich gehe zum Einkaufen und so abwegig scheint es gar nicht, den Mann der neben mir läuft und herzhaft in seine Brezel beißt, zu fragen, ob ich auch etwas abhaben kann. Ich spaziere ein wenig an der Isar entlang und das Glück wäre perfekt, wenn jetzt ein Binnenschiff vorbeikäme.…

Mit ganzer Leidenschaft

Es sein ein männliches Buch, hat mir jemand gesagt. Es ist ein direktes, ein leidenschaftliches, ein intensives würde ich sagen. Eines, dass diesem Gefühl in jungen Jahren, wenn der Kopf ganz wenig bis gar nichts zu sagen hat, weil Gefühle und Hormone gänzlich das Steuer übernommen haben, näher kommt, als sonst irgendetwas. Und ein trauriges, weil auch die intensivste Leidenschaft nicht ewig trägt und nicht für immer über Ungleichheit hingewegtäuschen kann. Ein Spiel und ein Zeitvertreib gilt als der erfolgreichste Roman von Salter. Das heißt nicht immer etwas. Hier schon.…

Lebenslauf

"Was Marie-Anne angeht, sie lebt jetzt in Troyes oder hat dort gelebt. Sie ist verheiratet. Wahrscheinlich hat sie Kinder. Sie gehen sonntags spazieren, das Sonnenlicht fällt auf sie. Sie besuchen Freunde, reden, gehen abends nach Hause, tief in dem Leben, das, wie wir alle finden, so ungemein ersehnenswert ist." aus:Ein Spiel und ein Zeitvertreib von James Salter…

Ist das gut?

Ich lese gerne. Und viel. Eigentlich fast immer. Zwischendurch in der S-Bahn, morgens bevor ich los muss, abends vor dem Einschlafen und immer wieder in den kleinen Momenten, die ich dem Alltag abringe. Nach Hobbies gefragt mit Lesen zu antworten stempelt einen in Sekunden zum Eigenbrötler ohne Freunde ab, aber selbst das ist mir egal. Wenn ich beim Lesen nur noch wenige Seiten vor mir habe, überkommt mich ein wenig Traurigkeit, wie vor einem Abschied. Es ist keine neutrale Beziehung, die ich zu Büchern habe. Es ist eine hochgradig emotionale. Mein Verlangen nach Büchern geht so weit, dass ich ein wenig…

So. Und jetzt?

"So. Und jetzt? Wie oft ich mir diese Frage gestellt habe, in den letzten Stunden, Tagen, Wochen. So und jetzt und jetzt so. Live by the river! Es gibt Tausende Und-jetzt-Möglichkeiten. Die Welt hatte noch nie mehr davon übrig. Sie sind unzählbar, umzingeln mich, bieten sich an auf einem silbernen Tablett, und die einzige Reaktion, die sie mir entlocken, ist das rotierende "So. Und jetzt?" Willkommen in meiner Welt der Luxusprobleme. Ich könnte ja so vieles machen. Wie sagt man so schön: Ich hab´s ja." aus: Und alle so yeah von Rebecca Martin…